STUTTGART - STUTTGART/DPA - Trotz internationaler Proteste will das Land Baden-Württemberg den Verkauf badischer Kulturgüter weiter vorantreiben, um seine leeren Staatskassen zu füllen. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) erklärte gestern in Stuttgart, dass vor allem das Bibliotheksgut der Badischen Landesbibliothek auf verkäufliche Gegenstände überprüft werden solle. Dazu gehören 3600 Handschriften, 2000 Musikhandschriften und 1300 Frühdrucke.

Professoren und Kunsthistoriker aus aller Welt haben in einem Offenen Brief gegen den Verkauf der Schriften protestiert. „Es fehlen uns die Worte, unserer Verwunderung, unserem Schock und Entsetzen Ausdruck zu geben“, heißt es darin.

Insgesamt geht es um ein Paket badischer Kunstschätze mit einem erzielbaren Preis von geschätzten 300 Millionen Euro. Aus diesem Paket sollen 70 Millionen Euro erzielt werden, die in eine gemeinnützige Stiftung zur Erhaltung der Schlossanlage Salem am Bodensee fließen. Im Gegenzug verzichtet das Haus Baden, mit dem das Land seit Jahren im Streit um die Eigentumsverhältnisse der Schätze liegt, auf alle weiteren Ansprüche.

Der Deutsche Kulturrat sieht eine Tendenz, dass der Verkauf öffentlichen Kulturguts salonfähig wird. Erst vor kurzem hatte der Rechnungshof des Landes aufgerufen, Kunstwerke der Staatsgalerie Stuttgart zu veräußern, um Geld in die leeren Landeskassen zu spülen. Die Stadt Krefeld sorgte kurz darauf für Entsetzen, weil sie ein Monet-Gemälde verkaufen will, um ein Museum zu sanieren.