STUTTGART - Alarmierende Meldung der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS): Schüler an deutschen Schulen machten seit dem Inkrafttreten der Rechtschreibreform vor zehn Jahren annähernd doppelt so viele Fehler wie zuvor. Das sei das Ergebnis von vergleichenden Studien, die Dr. Uwe Grund auf der Jahrestagung der Forschungsgruppe am Wochenende in Stuttgart vorstellte.
Die Fehler hätten sich gerade in den Bereichen vermehrt, in denen die Reformer regulierend in die Sprache eingegriffen haben, so der Dozent an der Universität des Saarlands weiter. Dies entspreche bei gleichen Bewertungsmaßstäben einer Absenkung um eine ganze Note.
„Davor wurde immer gewarnt“, sagte Dr. Jan-Martin Wagner, Geschäftsführer der FDS, am Montag auf Nachfrage. Vor allem bei der Groß- und Kleinschreibung habe sich die Fehlerquote sogar fast verdreifacht. Angesichts der vollmundigen Versprechungen, dass sich die Fehlerquote durch die Rechtschreibreform verringere, müsse man das Fazit ziehen, „dass da irgendetwas schiefgelaufen ist“. Die umfangreichen Untersuchungen von Uwe Grund seien vergleichende Studien zu Rechtschreibleistungen in Schülertexten vor und nach der Rechtschreibreform, die durchaus als repräsentativ anzusehen seien. Verglichen wurden freie Aufsätze von Viertklässlern, Diktate in der gymnasialen Unterstufe und Abituraufsätze.
Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache ist ein Zusammenschluss namhafter Reformgegner, unter ihnen die Sprachwissenschaftler Theodor Ickler und Horst Haider Munske sowie die Schriftsteller Reiner Kunze, Sten Nadolny und Adolf Muschg.
