SüDDORF - SÜDDORF - Die Konzerte der „Süddorfer E-Musik“ sind ein Synonym für anspruchsvolle Musik mit hochrangigen Künstlern. So wurde dem Besucher des Konzertes mit Werken verschiedener zeitgenössischer Komponisten in der Besetzung Mezzosopran und Klavier auch jetzt Kammermusik vom Feinsten geboten.
Die Interpreten des Konzertes waren die namhafte Mezzosopranistin Marina Sandel, die an den verschiedensten europäischen Opernhäusern und Konzertsälen zu Hause ist, und der Pianist Andreas Grau, der neben seiner Konzerttätigkeit mit der Sängerin sich unter anderem einen besonderen Namen durch sein Klavierduo „Grau/Schumacher“ gemacht hat.
Auf dem Programm des Abends standen Werke der Komponisten Herrmann Reutter, Peter Eötveös, Hanns Eisler und Stephan Heucke, dessen 1995 entstandenes Werk „Gesang aus der tiefsten Hölle“ nach Texten von Franz Kafka den Höhepunkt des Konzertes bildete.
Bereits im ersten Teil – den „Hölderlin-Fragmenten“ von Eisler und den „drei Gesängen“ von Herrmann Reutter – beeindruckte die hervorragende musikalisch und technisch aufeinander abgestimmte Musizierfähigkeit der beiden Akteure.
Mit einer großen klanglichen Breite, dynamisch und rhythmisch überaus differenziert, boten beide Musiker ausdrucksvolle Klangpracht, Musik und Text flossen vor sich hin. Marina Sandel überzeugte mit einer ausdrucksstarken Stimme, sehr sicher sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe, unterstützt vom Pianisten Andreas Grau, bei dem man den Eindruck hat, er kennt keine technischen und musikalischen Schwierigkeiten, er scheint über den Tasten zu schweben. Das gelang ihm hervorragend in seinem Solostück „Kosmos“, des Komponisten Eötveös. Hier werden massive Akkorde mit sphärischen Klängen abgewechselt, krasse Gegensätze sowohl technisch als auch klanglich werden einander gegenübergestellt. Man hat den Eindruck einer statischen Musik, die aber wieder erkennbare Motive einfügt und bei der unterbewusst alles durch ein „gefühltes“ Metrum zusammengehalten wird.
Dass sich technisch und musikalisch die Interpreten auf allerhöchstem Niveau bewegten, fand seine Fortsetzung im zweiten Teil, nach einer kurzen Werkeinführung des anwesenden Komponisten Stephan Heucke.
Besonders hier geht die Musik Heuckes in die Tiefe und berührt mit ihrer an die Grenzen musikalischer Ausdrucksfähigkeit gehenden Form, verbunden mit den verzweifelten an die Existenz gehenden Texten Kafkas, das Innerste des Hörers.Sowohl der rhythmisch sehr komplexen Gegenüberstellung von Gesang und Klavier als auch der musikalisch und besonders dynamisch an die Grenzen gehenden Interpretation dieses Werkes waren Marina Sandel und Andreas Grau in allen Bereichen bestens gewachsen. Nach den vier Schlusstönen, an den Saiten des Flügels gezupft, die wie ein Uhrschlag die Ewigkeit vermuten ließen, wirkte ein Moment der Stille vor dem Applaus der sichtlich bewegten Zuhörer.
