SüDDORF - SÜDDORF - Mit einem Thementag wollen die Edewechter Kunstfreunde an ein besonderes Datum erinnern: Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz von der russischen Armee befreit. In dem von den Nazis bereits aufgebenen Konzentrationslager lebten noch rund 5000 zurückgelassene, kranke Menschen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen jüdischen Glaubens waren während des Dritten Reiches in den Gaskammern des Lagers und bei Arbeitseinsätzen in Auschwitz umgebracht worden.

Anlässlich des 60. Jahrestages der Lagerbefreiung laden die Kunstfreunde für kommenden Sonntag gleich zu zwei Veranstaltungen – einer szenischen Lesung und einem Klezmer-Konzert – in die Süddorfer Martin-Luther-Kirche ein.

Aufrüttelnde Dokumente, die nachdenklich und betroffen machen, stellen – heißt es in der Ankündigung – die in Budapest geborene jüdische Schauspielerin Kriszti Kiss (Köln) und der Autor und Rezitator Dieter Treeck ab 18 Uhr vor. Unter dem Titel „Gestern mitten noch im Leben“ lesen sie u.a. Texte von Paul Celan, Imre Kertész und Lagerinsassen.

Anschließend – ab 20 Uhr – gibt das Ensemble „DRAj“ ein Klezmerkonzert. Das Trio mit Sängerin Manuela Weichenrieder, dem Cellisten Ludger Schmidt und dem Akkordeonspieler Ralf Kaupenjohann gilt in der Fachpresse als eine „der besten Klezmer-Formationen, musikalisch brillant, ausdrucksstark, inhaltlich ergreifend“. Auch in Süddorf spiele das Ensemble größtenteils auf Jiddisch mit „Liedern aus den Ghettos“ und „Jisrolim - Kindheit im Ghetto“ einen authentischen und mithin höchst eindringlichen Klezmer. Dieser weise enge Bezüge zum Nationalsozialismus und zum Holocaust auf. Doch nicht nur der oft verdrängte Teil deutscher Vergangenheit mit Gefühlen von Schuld und Trauer finde sich in den Interpretationen, sondern auch die Lebenslust der Juden.

Karten sind an den bekannten Stellen und über 04405/4444 erhältlich.