SüDDORF - SÜDDORF - Still war es in der Martin-Luther-Kirche in Süddorf, als Kriszti Kiss und Dieter Treeck ihre Rezitationen zum Thema Auschwitz beendet hatten. Kein Beifall, sondern nachdenkliches Schweigen begleitete die Vortragenden hinaus. Es dauerte einige Minuten, bis sich das Publikum aus seiner Nachdenklichkeit löste und es kurzen, aber herzlichen Beifall spendete.
Die Kunstfreunde Edewecht hatten zu einer Doppelveranstaltung eingeladen, um an ein besonderes Datum zu erinnern: Am 27. Januar vor 60 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der russischen Armee befreit.
„Gestern noch mitten im Leben“ hieß der erste Programmteil. Dabei zitierten Kriszti Kiss und Dieter Treeck nicht nur zeitgenössische deutsche Dichter und Autoren, sondern auch Betroffene, die zum Teil in Auschwitz ermordet wurden oder dieses Konzentrationslager mit all seinen Grausamkeiten überlebten. So wurde Miklos Radnoti zitiert, der sehr eindringlich die Verfrachtung von Juden in Eisenbahnwaggons und deren Transport nach Auschwitz beschrieb. Ihnen wurde schon während der Fahrt gesagt, dass sie sterben würden. Radnoti kam während eines Gewaltmarsches in ein anderes Lager ums Leben. Kiss und Treeck trugen die Texte mit einer solchen Intensität vor, in manchen Phasen untermalt mit jüdischer Musik, dass sie die für dieses Thema viel zu wenigen Besucher gleich in ihren Bann zogen. Mit den Texten wollen die beiden Referenten, die seit vier Jahren ihr Programm präsentieren, gegen das Vergessen dieser Verbrechen ankämpfen.
Mit dem Auftritt des „Ensemble DRAj“ wurde der Themenabend beendet. Manuela Weichenrieder (Gesang), Ralf Kaupenjohann (Akkordeon) und Ludger Schmidt am Violoncello spielten und sangen jiddische Lieder von Lebensfreude und Hoffnung wie auch Trauer und Verzweiflung. Sichtlich bewegt verfolgte das Publikum das vielschichtige Programm.
