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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Uraufführung: Sünde im keuschen Brautkleid

10.05.2012

OLDENBURG Ein putziger Teufel mit knallroten Hörnern tritt an die Rampe und grinst diabolisch. Dann zieht er den Vorhang auf und gibt den Blick auf die Klause des heiligen Antonius frei. Es ist seine „Show“, und er ist der Drahtzieher bei den albtraumhaften Versuchungen, denen Antonius widerstehen muss.

Die Uraufführung der Oper „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ mit der Musik von Ulrich Kreppein im Oldenburgischen Staatstheater erweist sich als schwere Kost. Entstanden ist sie als Kooperation zwischen Staatstheater und der „Akademie Musiktheater heute“, deren Stipendiaten drei Jahre daran gearbeitet haben. Grundlage ist der gleichnamige Roman von Gustave Flaubert, der 1874 seine endgültige Fassung erhielt. Also eine Literatur-Oper mehr, aber Flauberts ausufernder Roman (mehrere hundert Personen!) ist in szenischen Dialogen geschrieben. Zweifelhaft, ob das die Erstellung eines Librettos erleichtert hat, denn die Librettisten Patrick Hahn und Martina Stütz mussten sehr komprimieren.

Wankender Glaube

Der heilige Antonius lebt in der ägyptischen Wüste in völliger Askese. Aber es plagen ihn Selbstzweifel und Erinnerungen an sein früheres Leben. Im Traum erscheint ihm die Königin von Saba als lockende Verführerin, eine Diskussion über Religionen bringt seinen Glauben ins Wanken. Ein imaginärer Flug durchs Universum, auf den ihn der Teufel (Michael Pegher mit prägnantem Charaktertenor) mitnimmt, in den sich Antonius’ ehemaliger Schüler Hilarion verwandelt hat, führt Antonius zur Erkenntnis: Göttliche Harmonie ist nur eine Fiktion. „Götter sind ein vom Menschen gemachtes Erzeugnis“, heißt es im Text.

Der allerdings ist ein Problem, weil er sich weitgehend nur über die Textanlage erschließt. Vom Chor ist fast nichts zu verstehen. Die philosophischen Fragen der Oper gehen unter. Was bleibt, ist eine Reihung von Bildern, die Regisseur Alexander Fahima und Ausstatterin Julia Schnittger in gut 100 Minuten Spieldauer zu einem grotesken Kaleidoskop verdichtet haben.

Die Königin von Saba erscheint im keuschen Brautkleid – nicht unbedingt der Inbegriff der Sünde. Ein Philosoph diskutiert mit seinem Diener über den Wert der Wissenschaft (eine eingeschobene, von den Schauspielern René Schack und René Oley gestaltete Szene). Ordentlich was los ist beim Flug zu den Sternen: Mittels Video-Einspielungen wird die Assoziation zum Drogenrausch.

Schneidende Töne

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Am Ende versuchen der Tod (sehr präsent: Marcia Parks) und die Wollust (Inga-Britt Andersson mit virtuosem Sopran) Antonius auf ihre Seite zu ziehen. Eine sehr gelungene Szene, bei der das Orchester schweigt und nur die lockenden Stimmen der Kontrahentinnen zu vernehmen sind. Antonius (Paul Brady mit ausdrucksvollem Bariton) entscheidet sich für keine und bleibt allein zurück.

Kreppeins Musik schöpft aus einem reichen Arsenal: Dissonante, schneidende Töne, surrealistisches Flirren, klanglich machtvoll auftrumpfende Tableaus wie auch kammermusikalische Feinheit bestimmen den Duktus. Lennart Dohms und das Staatsorchester haben da sehr sorgfältige Arbeit geleistet. Trotzdem ein nicht unproblematischer Opernabend.

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