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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Prozess: „Superreiche sind kein Freiwild“

17.03.2015

Essen Ist Betrug an Milliardären weniger schlimm, als Normalverdiener übers Ohr zu hauen? Richter Johannes Hidding hat dazu eine klare Meinung: „Auch Superreiche sind kein Freiwild.“ Der Essener Richter verurteilte den prominenten Kunstberater Helge Achenbach, den einstigen Strippenzieher der deutschen Kunstszene, zu sechs Jahren Gefängnis. Dass Achenbach das Vertrauen seines Duzfreundes Berthold Albrecht, Milliarden-Erbe des Aldi-Imperiums, über Jahre ausgenutzt habe, sogar dann noch, als Albrecht schon schwer krank gewesen sei, wiegt für den Richter schwer. „Der Vertrauensbruch ist groß.“

19,7 Millionen Euro

Der Haftbefehl gegen den seit Juni 2014 in Untersuchungshaft sitzenden Achenbach bleibt wegen Fluchtgefahr bestehen. Seine Verteidiger wollen eine Revision prüfen. Das Urteil gegen Achenbach liegt ein Jahr unter dem von der Anklage geforderten Strafmaß.

Achenbach, der in seinem Schlusswort unter Tränen gesagt hatte, dass er sich für seine Taten schäme, sitzt während der etwa einstündigen Urteilsverlesung in diesem spektakulären Prozess blass und wie immer im dunklen Dreiteiler auf der Anklagebank. Manchmal nickt er leicht, dann wieder schüttelt der 62-Jährige den Kopf. Er verzieht kaum eine Miene.

Vor nicht einmal einem Jahr war für den weltweit vernetzten Kunstberater die Welt noch in Ordnung. Er jettete zu den Kunstmessen in Miami und Basel, stattete das WM-Quartier der deutschen Fußball-Nationalelf in Brasilien mit Kunst aus.

Allein den schwer kranken Albrecht, den Achenbach als „Freund“ bezeichnete, habe der Berater in 18 Fällen bei Kunst- und Oldtimerverkäufen betrogen, sagte Hidding. Dadurch sei ein Gesamtschaden von 19,7 Millionen Euro entstanden. Achenbach hatte die Betrugsvorwürfe bei den Fahrzeugverkäufen stets zurückgewiesen. Er habe seinen Duzfreund Albrecht über die Preisaufschläge aufgeklärt. Doch dem schenkte die Kammer keinen Glauben.

Bei den Kunstgeschäften hatte Achenbach gestanden, Rechnungen eigenhändig nach oben manipuliert zu haben. Er hatte Albrecht Werke von Kokoschka, Kirchner, Picasso, Gerhard Richter und Tony Cragg vermittelt.

Der Betrugsskandal um Achenbach ist der größte Skandal seit der Fälschungsaffäre um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der jahrzehntelang Fälschungen in den internationalen Kunsthandel geschleust und Millionen daran verdient hatte. Achenbachs Strafe ist genauso hoch wie die Beltracchis, der wieder in Freiheit ist.

Albrecht selbst hatte zu Lebzeiten seinen Freund Achenbach nicht nach dessen Einkaufspreisen oder nach der Preisgestaltung gefragt. Es gab keine Kontrolle. Die Millionendeals wurden per Zuruf abgeschlossen. Das entspreche „gewissen Üblichkeiten“ im Kunsthandel, meinte der Richter.

Verbleib ungeklärt

Achenbachs Firmen- und Restaurantkette ist inzwischen insolvent. Mit seinem „enormen Geldbedarf“ habe der Berater auch seine hochdefizitären Monkey’s-Restaurants quersubventioniert, sagte Hidding. Immer noch prüfe der Insolvenzverwalter das Firmengeflecht. Der Verbleib des Geldes sei bis zu einem gewissen Grad ungeklärt.

Achenbachs umfangreiche Kunstsammlung wird demnächst versteigert. Vom Landgericht Düsseldorf war Achenbach in einem Zivilprozess bereits zur Zahlung von 19,4 Millionen Euro Schadenersatz an die Albrecht-Erben verurteilt worden. Dieses Urteil hat er angefochten.

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