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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Susanna hält die Herren auf Trab

20.02.2006

OLDENBURG Mozarts „Figaro“ wurde 1786 uraufgeführt. Die politische Dimension der Oper schert den Regisseur wenig.

Von Reinhard Rakow OLDENBURG - Und nun? Solisten und Chor sammeln sich links, im gräflichen Garten. Als formloser Hafen wankt man nach rechts, zur Garderobe. Wer ein Kostüm hat, legt ab; man entspannt sich, ein Lied auf den Lippen: „Ja alle sind glücklich, solch Ende zu sehn”. Dass dieses Finale nicht wirklich final wirkte, ja, nach dem letzten Akkord gar ein Moment Ratlosigkeit Platz griff, entsprach ganz der Absicht, die Regisseur Anthony Pilavachi mit seiner Neuinszenierung von Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ verband.

Mit dem „Figaro“, 1786 uraufgeführt, löckte Mozart wider den Stachel des Hofes. Der Plot um den aufsässigen Kammerdiener Figaro und seine Braut, die sich einem übergriffigen Grafen erfolgreich verwehren, basierte auf einem verbotenen Stück – politischer Zündstoff, der Pilavachi allerdings kaum interessiert. Seine erste Oldenburger Figaro-Inszenierung kreiste um ein verdorrendes Apfelbäumchen im Garten des Grafen, Metapher für dahingeschiedene Harmonie. Auch die Neuauflage ist als individualistisches Stück konzipiert.

Geblieben ist das Fehlen politischer Pointierung. Geblieben ist auch der emanzipatorische Ansatz: Frauen sind stark und schlau, Männer triebhaft, dumm oder beides. Neu ist die Inszenierung von Brüchigkeit und Vorläufigkeit von Glück, neu deren Verlängerung über die Opernbühne auf der linken Seite hinaus nach rechts in die „Garderobe“. Unter den Kostümen stecken Jeans und Boots, darin wirkliche Menschen. Diese doppelbödige Leichtigkeit, die so schmetterlingsgleich daherflattert, ist es, die Pilavacis neuen „Figaro“ ausmacht und auszeichnet.

Ein Erfolg auch und gerade von Musik und Gesang, die ein kluges Konzept differenziert realisierten: Generalmusikdirektor Alexander Rumpf mit Tempi, die das Aushören trefflich befördern. Das Orchester setzt im durchscheinenden Klang kernige Akzente zielsicher, der Chor agiert alert. Dass selbst kleinere Rollen strahlen, gehört zu den Oldenburger Faszinosa: etwa Cordula Schmieg als unbefangene Barbarina, Joachim Siemann als stotternder Richter, Fritz Vitu als gediegener Doktor.

Thomas Kuckler gibt Basilio hingebungsvoll tuntig, Marcia Parks die Marcellina mit liebevollem Augenzwinkern. Szenenapplaus für Alexia Basile und ihren vorzüglich phrasierten Cherubino. Gleichermaßen kämpferisch-kraftvoll wie kantig-hölzern gebärdete sich Renatus Mészárs Figaro. Mit volumenreichem Bass trat er dem leichtfertigen Bariton-Grafen Paul Brady entgegen. Daniela Zanger aus Dessau, kurzfristiger Ersatz für die erkrankte Magdalena Schäfer, zeichnete mit kristalliner Zartheit das herbstliche Leiden einer Gräfin. Anja Metzger hingegen zauberte mit agilen Sopran in frischen Farben eine quirlige Susanna, ein herrliches Kammerkätzchen, das die Herren

auf Trab hielt.

Ganz zum Schluss setzt Susanna in der Garderobe das Rock-Gerüst ab und die Sonnenbrille wieder auf. Und nun? Fehlt da nicht was? Vorhang!! Und dann viel, viel Applaus.

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