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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Swing und Plattdeutsch im Blut

04.02.2013

Oldenburg Der Teenager in dem Film „144 qm Sprachraum, Niederdeutsch“ von Roland Steiner sieht das ganz nüchtern. Englisch und Französisch sind ganz praktisch, um sich im Ausland verständigen zu können, Latein braucht man fürs Studium. Aber Plattdeutsch? Das können doch nur noch Oma und Opa, vielleicht noch die Eltern. Ein gestandener Plattschnacker hält in dem Film dagegen und rühmt das Schöpferische der Sprache.

Wie vielseitig Plattdeutsch ist, zeigte die „Plattgold Gala“ im ausverkauften Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters zum Auftakt des mittlerweile vierten Platt-Art-Festivals (bis 10. Februar) für neue niederdeutsche Kultur. Festivalleiter Honne Dohrmann und die Schauspielerin und Sängerin Annie Heger führten durch ein abwechslungsreiches Programm. Das Publikum fühlte sich rundum gut unterhalten und spendete zwischendurch und beim Finale begeisterten Applaus.

Zauberhaft

Den Beweis, dass jeder – mit etwas Mut – plattdeutsch lernen, sprechen und sogar singen kann, trat gleich zu Beginn die Sängerin, Texterin und Pianistin Meike Schrader aus Hamburg an. Beim Chansonfestival in Berlin hatte sie im vergangenen Jahr mit einem plattdeutschen Chanson aufhorchen lassen. In Oldenburg bewies sie ebenfalls Mut mit einer Liebeserklärung an Hamburg und seinen Hafen – wunderbar ausdrucksvoll vorgetragen. Das Publikum war im Nu verzaubert.

Zauberhaft und komisch zugleich ging es weiter mit Herrn Heikel aus Kiel. Heiko Mielke kombiniert Plattdeutsch mit Zaubertricks, Jonglage (ohne Drehung und mit viel Gefühl) und Slapstick. Bei ihm ist auch das Publikum gefordert, davon können seit seinem Gala-Auftritt vor allem Carola in der ersten und Nico in der siebten Reihe ein Lied singen.

Maximale Spielfreude und dynamische Arrangements brachte Jailrock auf die Bühne. Malte Lackmann und Lars Hofmann, aufgewachsen in Bremen, sind zwei Vollblutmusiker mit großer Bühnenerfahrung, aber eigentlich nicht im Plattdeutschen zu Hause. Mit zwei Titeln, ins Niederdeutsche übersetzt von Cornelia Ehlers, der früheren Dramaturgin des niederdeutschen Schauspiels am Staatstheater, und einer Reminiszenz an Achim Reichel rockten sie die Bühne.

Ganz andere Töne schlugen der Schriftsteller Hans-Hermann Briese aus Norden und der Musiker Klaus Spencker aus Hannover an. Aus der Verbindung von Lyrik und Jazz, akustisch leider nicht ganz sauber ausgesteuert, entstand ein ungewohntes, faszinierendes Hörerlebnis: Das Gedicht „Der Schneckentod“ war zudem mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor gewürzt.

Glamourös

Keine Gala ohne Glamour. Bei der Platt-Art-Gala sorgte dafür Sweet Sugar Swing mit Mary Kehl, Christina Silvia Meyer und Annie Heger. Sie haben den Swing und das Plattdeutsche zugleich im Blut – eine Mischung der Extraklasse. Aus Marilyn Monroes Welthit „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“ wird bei ihnen „Klunkers sünd doch dat wat blifft“ – frei übersetzt: Schmuck ist unvergänglich.

Zu den Glanzstücken der Gala gehörte Insina Lüschen. Die Schauspielerin und Theaterpädagogin aus Hamburg mit Wurzeln in Ostfriesland wurde von Jens Pape am Flügel begleitet. Sie verzauberte mit bekannten Schlafliedern, die sie ins Niederdeutsche übersetzt hat. Zum Finale ließ es Platt-Art noch einmal krachen: Sweet Sugar Swing bat zum Danz op de Deel.

Schwungvoll ging eine Gala zu Ende, die zum einen Eindruck von der Bandbreite der plattdeutschen Sprache vermittelte und zum anderen das Interesse für die weiteren Veranstaltungen des Platt-Art-Festivals weckte. Und die Gala mag dem einen oder anderen Mut gemacht haben, platt zu sprechen – nicht nur mit Oma und Opa.


     www.staatstheater.de 
Infos und Programm unter   www.plattart.de 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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