• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

LITERATUR: Tagebuchnotizen humorvoll vorgetragen

20.10.2008

OLDENBURG Unbeugsam ist er, das weiß man, unvereinnahmbar, unbequem und in höchstem Maße autonom. So einer wie Kunze bleibt sich treu, egal in welchem System er lebt. Einerlei, was das Publikum, die Schriftstellerkollegen oder Kritiker denken.

Und doch: Wie hat er sich gewandelt in dem letzten Vierteljahrhundert, denke ich, nachdem ich ihn jetzt im Kulturzentrum Ofenerdiek in Oldenburg und als junger Student noch in den frühen 80er Jahren erstmals lesen hörte. Damals aus dem Prosaband „Die wunderbaren Jahre“, der bis heute sein einziger kommerzieller Erfolg war und sein berühmtestes Buch geblieben ist.

Gewandelt in der Art, wie er liest und sich dem Publikum präsentiert. Seinerzeit, da wirkte er nicht nur distanziert, sondern fast schon arrogant, was man im Rückblick wohl richtig als Selbstschutz deuten sollte. Damals, da zelebrierte er geradezu seine Gedichte und Kurzprosastücke, nahm den Gestus des vereinsamten, am Umfeld leidenden Lyrikers ein, dessen zerbrechliche Seele und filigranen Verse unverstanden blieben. Wie anders gibt sich der promovierte Philologe, dem man in Leipzig in den 50er Jahren aus politischen Gründen keine Chance für eine Wissenschaftskarriere gab und ihn zum Hilfsschlosser degradierte, heute.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Er liest charmante, humorvolle Tagebuchnotizen vor, rezitiert nachdrücklich und einprägsam Natur- und Liebesgedichte und endet mit lautmalerischen Versen für Kinder, die beim Publikum im gut gefüllten Ofenerdieker Kulturzentrum besonders gut ankamen. Da wurde geschmunzelt und manchmal auch laut gelacht.

Mit großer Gelassenheit, Ruhe und spontanem Witz beantwortet Kunze die vielen Fragen zu seiner Person, zu den Verfolgungen in der DDR und seinem Leben in der Bundesrepublik. Auf die Frage, wie er denn mit der Schnelllebigkeit im Westen unmittelbar nach seiner Umsiedlung (1977) zurecht gekommen sei, meinte der Dichter spontan: „Wer die DDR überstanden habe, wird mit allem anderen auch fertig.“ Da hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Nachdenklich und betroffen erzählt Kunze davon, wie die Bespitzelungen der Stasi auch vor Freunden und Familie nicht halt machte, welche perfiden Methoden angewandt wurden, ihn zur Ausreise zu zwingen, aber auch, wie ihm im Westen nach anfänglicher Solidarität mehr und mehr schroffe Ablehnung entgegenschlug, vor allem von den linken Intellektuellen des 68er Umfeldes, nachdem er im Fernsehen geäußert habe, dass aus dieser DDR nichts mehr Positives zu erwarten sei.

Kunze, der auf Einladung des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ in Oldenburg las, isolierte sich im Westen schon früh ganz bewusst auch selbst. „Meine Frau und ich blieben zeitlebens als Paar ein Einzelkämpfer“, betont er.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.