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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Neue Aufmerksamkeit für Vareler Schriftsteller

08.04.2016

Frage: Herr Echte, wie kommt es, dass Ihr Verlag sich mit Autoren wie Ferdinand Hardekopf oder Hugo Ball beschäftigt, die in Deutschland schon lange vergessen sind?
Echte: Für Ball, den Erfinder des Dadaismus, muss ich mich als Pfälzer schon allein aus lokalhistorischen Gründen einsetzen, schließlich ist Ball der einzige Pfälzer, der es zu einem Platz in der Weltliteratur gebracht hat. So etwas verpflichtet natürlich...
Frage: ...und bei Hardekopf war das anders?
Echte: Er ist eine alte Liebe von mir. So vergessen Hardekopf heute ist – vor dem Ersten Weltkrieg war er eine ziemlich bekannte Literatenfigur. Er war freilich ein Autor, der weniger im Buchbereich veröffentlicht hat als vielmehr in Zeitungen und Zeitschriften. Er wollte kein repräsentativer Großautor sein wie Thomas Mann, sondern ein Bohème-Dichter. In dieser Form war er für viele junge Literaten ein Vorbild. Auch die Frauen waren von ihm sehr begeistert. Er wirkte so geheimnisumwittert: tagsüber beamteter Reichstagsstenograf, abends und nachts Bohemien in den Berliner Literatencafés.

Festival in Varel

Ferdinand Hardekopf (1876–1954) gilt als heimlicher König des Expressionismus. Er wurde in Varel geboren, wurde Parlamentsstenograf in Berlin. Er veröffentlichte viele Texte und Gedichte in den Feuilletons von Tageszeitungen. 1916 ging er als Kriegsgegner in die Schweiz.

„Briefe aus Berlin“ heißt eine Sammlung von lesenswerten Feuilletons und Gedichten, die im Nimbus-Verlag (Wädenswil) herausgekommen sind (223 Seiten, 28 Euro). Verleger ist der Hardekopf-Kenner Bernhard Echte, langjähriger Leiter des Robert-Walser-Archivs.

Ein Hardekopf-Festival in seiner Geburtsstadt Varel erinnert an den vergessenen Schriftsteller. Es findet statt am Sonnabend, 16. April, ab 11 Uhr, in der Obernstraße 4 in Varel. Auch der Verleger des Nimbus-Verlags, Bernhard Echte, wird erwartet. Organisiert wird die Lesung von Vareler Bürgern. Es moderiert der Autor Achim Engstler.

Infos: www.nimbusbooks.ch

Frage: 1914 war Hardekopf dann Kriegsgegner.
Echte: Ja, als einer der ganz wenigen war er von Anfang an gegen den Krieg. Er ist dann in die Schweiz ins Exil gegangen – krankheitshalber beurlaubt wegen Tuberkulose, so die offizielle Begründung. Dort ist er bis 1921 geblieben. Um zu überleben, hat er mit dem Übersetzen aus dem Französischen begonnen. Das ist sein eigentlicher Brotberuf geworden. 1921 ist er endgültig aus dem Parlamentsdienst ausgeschieden. Neben dem Übersetzen – darunter Hauptwerke von André Gide, Jean Cocteau und anderen – hat er weiter geschrieben, aber das ist größtenteils nie in Buchform erschienen, so dass man bis heute nicht weiß, wie groß sein Werk wirklich ist.
Frage: Wie sind Sie auf Hardekopf gestoßen?
Echte: Ich habe lange ein Literaturarchiv, das Robert Walser-Archiv in Zürich, geleitet. Dabei habe ich meine Funktion unter anderem darin gesehen, vergessene Autoren wieder auszugraben und ihre verschollenen Werke zu rekonstruieren – der historischen Gerechtigkeit zuliebe. Hardekopf ist nach dem Zweiten Weltkrieg erneut in der Schweiz gestrandet und hat hier einen Unterstützer gefunden, der ihn über Wasser hielt: den Zürcher Journalisten und Mäzen Carl Seelig – den Freund und Helfer von Robert Walser.
Frage: Ein weiterer vergessener Schriftsteller, von dem Sie Titel im Programm haben.
Echte: Ja, auch so ein rätselhafter Autor, der erst in den 1970er Jahren wiederentdeckt wurde und lange ein Geheimtipp war. Heute ist sein Werk in mehr als 30 Sprachen übersetzt, und er wird auf der gleichen Ebene genannt wie Kafka. Beide haben etwas Paradigmatisches in der modernen Literatur. Carl Seelig hat nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch nicht nur Walser, sondern auch Hardekopf unterstützt und ihn zuletzt quasi durchgefüttert. Als Leiter des Robert-Walser-Archivs hatte ich 70 Briefe von Hardekopf an Seelig in meiner Obhut. Daraus ist meine jahrzehntelange Beschäftigung mit Hardekopf entstanden. Es gab jedoch einen urheberrechtlichen Streit um sein Werk, so dass meine editorische Arbeit 20 Jahre lang liegen blieb. Jetzt habe ich endlich die Gelegenheit bekommen, Hardekopf zu publizieren.
Frage: Sie haben frühe Feuilletons von Hardekopf über Berlin veröffentlicht. Wird so etwas überhaupt von Lesern goutiert?
Echte: Das Bändchen wird überall positiv besprochen und ist überraschend erfolgreich. Wir rechnen damit, dass es bald ausverkauft sein wird. Am Ende wird da zwar nur eine schwarze Null in unserer Buchhaltung stehen, aber wir werden mit Leidenschaft noch weitere Bücher von Hardekopf herausbringen. Er verdient es. In seiner Geburtsstadt Varel tut sich auch einiges. Von daher bin ich zuversichtlich, dass wir den vergessenen „Hardy“ wieder unter die Leute bringen werden.
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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