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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Tanz vermittelt Optimismus

07.03.2016

Oldenburg Vieles geht verloren, manches versteckt sich in der Nische: Die Langspielplatte, die Beuys’sche Fettecke, die europäische Vision, die Viola d’amore. Ja, auch das klassische Ballett, angeblich verdrängt vom vieldeutigeren Tanztheater. Wer’s glaubt, braucht nicht nach Oldenburg zu kommen. Wer aber dem klassischen Ballett Modernität zutraut, der sollte ins Große Haus des Staatstheaters gehen.

„D-Man in the Waters” und „Generation Y” stellt die Ballett-Compagnie Oldenburg in einer Doppelpremiere auf die Bühne. Die erste Choreografie ist eine legendäre von Bill T. Jones von 1989, die zweite eine Uraufführung von Oldenburgs Chefchoreograf Antoine Jully. Der einen setzt das Oktett für Streicher von Felix Mendelssohn-Bartholdy den Rahmen, der anderen die fünfte Sinfonie des Engländers Malcolm Arnold. Unter Elias Corrinths Leitung vereint das Staatsorchester weit reichende Klangpracht mit rhythmischer Schärfe.

Beide Choreografien von jeweils gut halbstündiger Dauer demonstrieren Gegensätze unter einer verbindenden Klammer. Bill Jones hat „D-Man” dem gestorbenen Tänzer Demian Acquavella gewidmet. Er wähnte ihn im Traum schwimmend im Wasser zu sehen. Immer findet die Gruppe verstärkt zusammen, trotz aller Vereinzelungen und aller Anfechtungen. Die gemeinsamen Handlungen verheißen eine optimistische Zukunft.

Die „Generation Y“ ist die aktuelle Generation: In schnellen Bindungen und Trennungen lebend, bedrängt von Informationen und Ablenkungen. Jones lässt die Tänzerinnen und Tänzer gemeinsam die Bühne stürmen, sich immer wieder verbinden. Jully lässt seine Paare und Solisten schon vor dem Beginn allein auf der Bühne üben. „D-Man” endet mit einer dynamischen Aktion der Gruppe, „Generation Y” in Erstarrung.

Die tänzerische Umsetzung gereicht der Compagnie zu höchster Ehre: Eleonora Fabrizi, Maelenn Le Dorze, Marjorie Lenain, Nicol Omezzolli, Marié Shimada, Timothée Cuny, Lester René González Alvarez, Floriado Komino, Herick Moreira, Marco Russo Volpe, Gianluca Sermattei. Ausdauer und Sprintkraft werden heftig gefordert.

Janet Wong von der New Yorker Jones/Zane Dance Company hat den Jones-Entwurf hier erstmals in Europa einstudiert. Ebenso wie Jully stützt sie sich auf das klassische Ausdrucksrepertoire. Instrumentales Forte nutzen sie oft zu hohen Hebungen, reduzierte Klänge zu Soli, Pas de deux oder virtuosen Schrittkombinationen.

Viele Feinheiten offenbaren sich, etwa beim Retiré passé. Da liegt das Spielbein am Knie des Standbeins – und immer ist es spannend, wie die Tänzer diese Figur auflösen.

Im Großen Haus spart sich die moderne Form ein pompöses Bühnenbild. Die Fokussierung auf den Tanz stellt Schönheit und Anmut heraus. Sie lässt viel Raum, Emotionen zu betonen statt sie blank zu schrubben.

Die Gesamtbilder entstehen über die Bewegungen in der Fantasie des Zuschauers. Dass sie sich bei wiederholten Gesten, Figuren und auch Metaphern nicht bruchlos im Kopf zusammen fügen, ist ein Manko. Aber ein ganz kleines.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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