Frankfurt Am Main - Sven Väth: Musiker, DJ, Label-Betreiber, Clubbesitzer, Beinahe-Schlosser, Vielreisender, Familienvater, Ayurveda-Fan. Wie er das alles unter einen Hut bekommt und wieso er gern mit einem UFO abgehoben wäre, erzählt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Seinen 50. Geburtstag feiert er in Mannheim mit Hunderten Fans. Ans Aufhören denkt er nicht: Er will auch weiterhin „weltweit Menschen auf dem Dancefloor friedlich vereinen“.
Sie machen gerade eine Ayurveda-Kur. Ist das Ihr Ausgleich zum anstrengenden Nachtleben?
Sicherlich trägt die Kur dazu bei, mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. Aber Ayurveda ist nicht nur etwas für gestresste Manager oder viel reisende DJs. Mit verschiedenen Therapien soll der Körper entschlackt werden und so seine innere Balance wiederfinden. Ayurveda ist für jeden gut.
An wie vielen Abenden im Jahr stehen Sie noch am DJ-Pult?
Pro Jahr spiele ich weltweit etwa 120 Gigs.
Wie kriegen Sie das mit Ihrer Familie unter einen Hut? Sie haben ja inzwischen auch Kinder.
Das geht nur mit Respekt und Toleranz meiner Familie. Dennoch bin ich geschieden seit einem Jahr. Meine Tochter Pauline ist 25 Jahre alt und steht voll im Leben. Mein Sohn Tiga ist jetzt vier Jahre alt und wurde gerade in die Vorklasse eingeschult, in Ibiza. So oft es geht, versuche ich Zeit mit ihm zu verbringen. Er ist jetzt schon ein großer Showman und mein Sonnenschein.
Sie sind ja nicht nur DJ, sondern auch Unternehmer. Sie gründen Clubs, produzieren Musik, veranstalten Partys. Ein einträgliches Geschäft oder eher permanentes Risiko?
Der Markt verändert sich unwahrscheinlich schnell. Wo man vor zwei Jahren noch alleine stand, gibt es heute gleich vier verschiedene Mitstreiter. Man muss sehr flexibel und schlagfertig sein, gerade im Geschäft mit Events. Mit dem Plattenlabel kann man froh sein, wenn es die Ausgaben einspielt. Aber mit einem guten Team ist das machbar und hat auch Zukunft.
Ihr letzter Laden, der Cocoon-Club, hat vor ein paar Jahren dicht gemacht. Was ist da schief gelaufen?
Das stimmt, aber wir hatten auch achteinhalb tolle Jahre und wurden mit vielen Auszeichnungen bedacht, unter anderem dem Design Award für Deutschland. Der schönste Club der Welt war er definitiv! Leider hat sich der Standort nicht zu unseren Vorteil entwickelt. Dazu kam noch ein anspruchsvolles Restaurant-Konzept - ausgezeichnet mit einen Michelin Stern wohl bemerkt - das aber wirtschaftlich so nicht aufging. Vielleicht hätten wir abheben sollen mit dem UFO- Gebäude - in London oder Tokio hätte man uns mit Applaus empfangen.
Sie legen seit weit über 30 Jahren Platten auf. Wie hat sich Techno als Musik und Techno als Szene seither verändert?
Als Musik ist sich Techno sehr treu geblieben. Dennoch gibt es immer wieder Mikro-Trends im Sound und Groove. Zur Zeit sind wieder viel analoge Sounds angesagt, das gibt der Musik mehr Charakter, sie klingt dadurch etwas „schmutziger“. Was die Szene anbelangt: Sie ist, wie immer, in Bewegung. Sie findet nach wie vor in den Clubs statt, aber sie wächst auch immer stärker auf internationalen Festivals. Techno ist ein Riesen-Geschäft geworden.
Spielen Drogen heute eine geringere Rolle als in den Anfangsjahren - und wie war das bei Ihnen persönlich?
Drogen sind in jeder Musik-Szene anzutreffen, so auch in unserer. Ob heute weniger oder mehr konsumiert wird, kann ich nicht sagen. Die größte Rolle scheinen Drogen für die Medien zu spielen - kein Interview, in dem ich nicht danach gefragt werde. Aber das ist schon ok, damit kann ich leben. Für mich gilt heute mehr denn je: Musik ist meine Droge. Sonst würde ich meine berühmten Mammut-Sets von zwölf Stunden gar nicht schaffen.
Was haben Sie so vor in den nächsten, sagen wir: zehn Jahren?
Ich möchte viel Zeit mit meinen Sohn und mit meiner Familie verbringen. Und natürlich weiter meiner Leidenschaft nachgehen, weltweit Menschen auf dem Dancefloor friedlich zu vereinen, das gilt ja ganz besonders in unserer krisengebeutelten Zeit.
ZUR PERSON: Sven Väth wurde am 26. Oktober 1964 im hessischen Obertshausen geboren. Seine Eltern hatten in Neu-Isenburg eine Diskothek namens „Queens Pub“. Mit 16 legte er zum ersten Mal dort auf: „von Disco über Soul und Blues bis zu Marianne Rosenberg und Kraftwerk“, wie er im Interview erzählt. Eine Lehre als Schlosser brach Väth ab und reiste nach Ibiza. 1986 hatte er seinen ersten Hit: „Electrica Salsa“. Er arbeitete als DJ im „Dorian Gray“ und eröffnete 1988 das „Omen“, das nach zehn Jahren schloss. 2004 gründete er den „Cocoon-Club“. Seinen 50. Geburtstag feiert Väth am 25. Oktober in der Maimarkthalle Mannheim.
