Friedrich-August-Hütte - „Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf und sind tot.“ Die Aufforderung zu dieser zugegeben recht unangenehmen Vorstellung kam von der Regisseurin Andrea Thormählen. Sie wollte ihre Zuhörer in ein Geflecht aus Dies- und Jenseits einführen.
Sieben Tote und die sieben Todsünden sind Gegenstand der neuesten Inszenierung des Jugendtheaters Tusculum der Niederdeutschen Bühne Nordenham, die am Freitagabend eine gelungene Premiere im Kasino Friedrich-August-Hütte feiern konnte. Zorn, Wollust, Trägheit, Völlerei, Neid, Hochmut und Geiz wurden durch sechs Dämonen verkörpert, die je eine der sieben Handelnden noch im Tode malträtierten und verführten.
Für die 13 jungen Darsteller Leon Nungesser, Lisa Mühlan, Saskia Kluge, Anna-Lena Krüger, Mia Mahn, Volkan Henken, Pia Windhorst, Katja Kramer, Jule Thormählen, Jana Henrichs, Jennifer Nelson, Louisa Thormählen und Käthe Wiechmann gab es zum Schluss einen langanhaltenden Applaus von rund 70 jubelnden Premieregästen.
Frei nach Sartre
„Die Hölle – das sind die anderen“ ist ein anspruchsvolles Stück mit komödiantischer Ader aus der Feder von Sandra Lill, das den Schauspielern einiges an Ausdrucksvermögen abverlangte und viele kleine szenische Elemente beinhaltete, die eine gute Konzentration erforderten. Der Zweiakter lehnt sich an das berühmte Werk „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre an.
Auch die Zuschauer mussten neben den kleinen humorvollen Einlagen stets aufmerksam sein, um den Ereignissen folgen zu können. Eine zusätzliche Herausforderung für alle Beteiligten waren die plattdeutschen Schnipsel, die immer wieder in das vom Ursprung her rein hochdeutsche Stück eingestreut wurden. Die Übersetzung hierfür hatte Klaus Wessels aus Rodenkirchen geliefert, Mitglied des Schrieverkrings des Rüstringer Heimatbundes.
Bravourös aufgeführt
Auf weißen Schiffchen gebettet, die immer weiter vermehrt wurden, begann der Teufelskreis aus Verzicht, Begehren, Verführung und schließlich Schwäche, dem wie im richtigen Leben alle Menschen ausgesetzt sind. Dass es auch für die Toten noch zu derartigen Sündenfällen kommen kann, ist ein literarischer Kunstgriff, den die Jugendgruppe mit ihren vielen Helfern vor und hinter der Bühne bravourös umgesetzt haben. Ein lebendiges Bühnenbild mit vielen Aktionsräumen, eine aufgeweckte Schauspielerschar, die scheinbar nahezu ohne jegliche Patzer agierte, dies waren die Zutaten eines sehenswerten Stückes, welches mit dieser inhaltlichen Ausformung erstmals auf die Bühne gebracht werden konnte.
„Ihr könnt nicht anders, ihr seid zum Scheitern verurteilt“, sagte am Ende der Sprecher aus dem Off als Mahnung an die Zuhörer. Als gescheitert kann man die Aufführung der Jugendgruppe hingegen keinesfalls bezeichnen, vielmehr als Gewinn für die (Jugend-)Theaterlandschaft Nordenhams.
Eine zweite Aufführung war am Sonnabend zu sehen.
