Oldenburg - Ihre Texte besingen sowohl Schneewittchens Coming-Out, als auch das typisch norddeutsche Wetter „Fahrrad fahr’n in Sturm“ zur Melodie des Doors-Titel „Riders on the Storm“ aus dem Jahr 1971. So breit gefächert wie die interpretierten Themen sind auch die Mitglieder des Lesbenchors „Andersrum und Immerschief“. „Wir bilden das statistische Mittel“, erklären Marianne Garbe, die mit ihren 69 Jahren am meisten Erfahrung hat, und die 30-jährige Annekathrin Söthe fröhlich. Die 51-jährige Kerstin Paulsen-Brink ist schon seit 1990 Mitglied in der Gemeinschaft, die sich auch „Frauenchörin“ nennt.
Wichtigstes Kennzeichen, da ist sich Garbe sicher, seien freche Texte samt einer nicht weniger frechen Performance; Verkleidungen gehören dazu. „Alle Frauen im Chor haben ein gutes Selbstbewusstsein, wir scheuen nicht die Öffentlichkeit – sondern legen Wert darauf, gesehen zu werden.“ Gleichzeitig bietet der Chor auch eine Art Schutzraum. So empfindet zum Beispiel Annekathrin Söthe: „Ich genieße es, in einem reinen Frauenkreis unterwegs zu sein.“ Garbe ergänzt diesbezüglich: „Es ist gut, für alles offen zu sein, trotzdem schadet ein geschützter Raum, wie wir ihn in unserer Gemeinschaft haben, nicht. Es gleicht einer öffentlichen Anlaufstelle“.
Ein dezidiert feministisches Selbstverständnis zeichnete die Gruppe vor allem in den Anfängen 1988 aus, so Paulsen-Brink. Die neue Frauenbewegung in Oldenburg sei zu einem großen Teil von lesbischen Frauen getragen worden.
Heute hat der musikalische Anspruch Vorrang. „Jetzt ist man bereit, Geld für unser Konzert auszugeben“, bewertet Söthe die Rückmeldungen nach der Nacht der kleinen Künste. Wie kreativ sich die Mitglieder einbringen, zeigen die vielen eigenen Texte: In einer Gruppe von sechs bis acht Frauen und wechselnder Besetzung – je nachdem, wer von den zumeist berufstätigen Sängerinnen mehr Zeit hat – werden Liedzeilen voller Wortwitz und Selbstironie auf den Weg gebracht.
Nicht zu kurz kommen gemeinsame Unternehmungen wie Boßel- und Fahrradtouren; Spargelessen und gemeinsames Fußballgucken.
Im September steht ihr nächster Auftritt beim LFCT, dem Lesben Frauen Chöre-Treffen, in Düsseldorf an. „Gerade hat sich unser Sopranproblem gelöst, aber wir freuen uns besonders über junge Frauen, um der wachsenden Vergreisung vorzubeugen“, lacht Kerstin Paulsen-Brink.
