Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ feiert am 12. Juni auf der Seebühne im Bremer Hafen ihre Premiere. Die Freilichtaufführung hat ihre ganz eigenen Gesetze.
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FRAGE:
Bei welcher Windstärke wird draußen nicht mehr Theater gespielt?
FREY
: Ab Windstärke Acht.
FRAGE:
Wozu baut man zivilisierte Häuser, wenn Sie dann doch draußen Theater spielen lassen?
FREY
: Ich habe schon vor Jahren festgestellt, dass die Norddeutschen nach einem langen Winter ab Mitte Mai kaum ins Theater strömen. Die wollen dann einfach draußen sein, den kurzen Sommer genießen. Ab September kippt das wieder. Man ist dann durchaus wieder bereit, ins Theater zu gehen.
FRAGE:
Ist die Ablenkung nicht zu groß? Man guckt mehr auf die Umgebung und den Sonnenuntergang als auf die Inszenierung.
FREY
: Im Grunde ist das unser Ziel. Von dem Publikum, das wir erreichen, sind ungefähr zwei Drittel untypische Theatergänger. Die wollen in der lauen Sommernacht was erleben, aufs Wasser gucken, klassische Musik hören. Das wissen wir, wenn wir auf der Seebühne spielen.
FRAGE:
Haben Sie als Regisseur draußen mit vielen Problemen zu kämpfen?
FREY
: Ja. Am Mittelmeer geht zum Beispiel zuverlässig die Sonne ziemlich schnell unter. Da kann man gut mit Beleuchtungseffekten arbeiten. Hier in Bremen sieht es im Juni während der Aufführung so aus: 45 Minuten Helligkeit, dann 45 Minuten Dämmerung, dann 45 Minuten Dunkelheit. Damit muss man erstmal arbeiten.
FRAGE:
Und wenns regnet?
FREY
: Publikum und Sänger sind regensicher untergebracht. Das Orchester sitzt geschützt hinten auf der Bühne. Wenn es doch mal einen Starkregen gibt, unterbrechen wir für eine halbe Stunde.
FRAGE:
Das Wasser im Bremer Hafenbecken ist stark von Ebbe und Flut abhängig.
FREY
: Wir haben einen Tidenhub von fast fünf Metern! Deshalb gibt es mehrere Varianten der Aufführung: Bei Hochwasser können wir spektakulär große Schiffe langfahren lassen, bei Niedrigwasser leider nur ein Ruderboot.
FRAGE:
Wie sehen die Künstler das Freilichttheater?
FREY
: Die sind hin und her gerissen. Es ist ja toll vor 2000 oder 3000 Leuten zu singen. Aber sie fürchten auch das Wetter. Zum Glück haben sie Mikros, sie müssen nicht gegen das Wetter ansingen.
FRAGE:
Und dann nehmen Sie eine Puccini-Oper wie „Turandot“ und eine von Paul Potts populär geschmetterte Arie . . .
FREY
: Wissen Sie, was mich am meisten erschüttert? Wenn man eine Umfrage in der Bevölkerung macht mit der Frage „Von wem ist die Arie ,Nessun dorma?“, dann antworten garantiert 60 Prozent: Die stammt doch von Paul Potts! Aber egal: Hauptsache, die Leute kommen ins Theater – auch im Winter.