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NWZonline.de Region

Die Natur versteckt sich auf dem Dachboden

13.11.2017

Bremen Antonín Dvořráks lyrische Märchenoper „Rusalka“ wird im Bremer Theater von Anna-Sophie Mahler inszeniert. Die musikalische Leitung hat Bremens neuer 1. Kapellmeister Hartmut Keil.

Die Geschichte handelt von der Nixe Rusalka, die unbedingt ein Mensch werden will, weil sie sich in einen Prinzen verliebt hat. Die Hexe Jezžibaba erfüllt ihr den Wunsch, allerdings um den Preis, dass sie stumm bleiben muss. Der Prinz wendet sich von ihr ab und Rusalka kehrt als Irrlicht in das Reich des Wassermanns zurück. Von ihrem Fluch kann sie nur durch den Tod des Prinzen befreit werden.

Mahler hat in ihrem Regiekonzept das Märchenhafte ausgespart. Es gibt im Bühnenbild von Duri Bischoff keinen See und keine Naturstimmung. Man sieht nur einen schäbigen Dachboden mit Wasserflecken an der Decke und Tapeten, die sich von den Wänden lösen.

Mahler hat die Beziehung zwischen dem Wassermann und Rusalka als Konflikt zwischen Vater und Tochter umgedeutet. Rusalka will sich von ihrer Kindheit (für die steht symbolisch dieser Dachboden) lösen und den Entwicklungsschritt zur jungen Frau vollziehen, wobei der Vater sie aber nicht gehen lassen will.

Rusalkas Sprachlosigkeit deutet Mahler als ein Trauma. Die fremde Fürstin, die den Prinzen verführt, ist hier die personifizierte Angst Rusalkas. Die Hexe kann als böse Stiefmutter gedeutet werden. Am Ende gibt Rusalka den Todeskuss nicht dem Prinzen, sondern dem Wassermann. Das bedeutet ihre endgültige Befreiung. Dvořráks verklärende Musik kündet vom Glück in einer anderen Welt.

Bei dieser Inszenierung steht eher Sigmund Freud Pate und weniger Hans Christian Andersen. Mahler setzt ihr Konzept aber mit so ausgefeilter Personenführung und schlüssiger Aktion um, dass diese Umdeutung durchaus funktioniert.

Zudem kann man sich über durchweg ausgezeichnete Sängerleistungen freuen: Pa­tricia Andress gibt dem „Lied an den Mond“ zwar einen sehnsuchtsvollen Klang, findet aber erst danach mit leuchtenden Tönen zu großer Form. Nadine Lehner ist eine Fürstin der Sonderklasse – stimmlich und auch Kraft ihrer Bühnenpräsenz. Romina Boscola ist eine ebenso elegante wie dämonische Hexe, mit imponierendem Mezzo und einer Ausdrucksintensität, die an eine Ortrud denken lässt.

An Ausdruck und Intensität mangelt es auch Claudio Otelli nicht, der dem Wassermann nachhaltiges Profil gibt. Luis Olivares Sandoval begeistert als Prinz mit warmer, ergiebiger Tenorstimme.

Hartmut Keil, der neue 1. Kapellmeister, überzeugt am Pult der Bremer Philharmoniker ohne Einschränkung. Er bringt Dvořráks herrliche Musik glanzvoll zum Klingen, er lässt sie funkeln und aufblühen. Der romantische Duktus – hier wird er aufs Glücklichste getroffen.


Alle NWZ-Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 

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