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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Theater im Miniaturformat

16.10.2006

OLDENBURG Das Figurentheater beweist Liebe zum Detail. Pavel Möller-Lück begibt sich in dem Ein-Mann-Stück auf die Spur eines Tangostars.

Von Simone Wiegand OLDENBURG - Die Bühne im ausverkauften „Theater Laboratorium“ stellt einen kleinen Raum dar, von dem aus man Ton und Licht für das russische Dramentheater in Odessa regelt, das man aber nur erahnt. Grisha (Jacob Loerbroks), ein russischer Techniker, sitzt dort, während Pavel Möller-Lück, für Grisha scheinbar unsichtbar, eine „Geschichte von Leidenschaft und großer Liebe“ erzählt.

Sie handelt von Pjotr Konstantinowitsch Leschenko, dem populären russischen Tangosänger, der während des Stalinismus im Ausland umjubelt, in seiner russischen Heimat aber verboten war. Aus dem Lautsprecher erklingt nun seine sehnsüchtige Musik, gefolgt von frenetischem Beifall.

Diese Musik war es, die ein Freund dem Theatermacher Pavel Möller-Lück vor fünf Jahren erstmals in die Hand drückte. „Ich habe gehofft, er verliebt sich in den Stoff“, erinnert sich Leo Ensel, der als Mitarbeiter des Goethe-Instituts Osteuropa-Kenner ist. Bei der neuen Inszenierung „Russischer Tango“ des rührigen Puppentheaters hat er die Fäden mitgezogen, ist zuvor sogar nach Odessa gereist, während Möller-Lück in Bukarest recherchierte.

Ihre Spurensuche gleicht einer Ausgrabung, die ohne Tamtam und Effekthascherei einen Menschen unspektakulär in Szene setzt, dessen Musik lange verschüttet war und erst nach 1988 wieder lebendig wurde. Da war Pjotr Leschenko längst in einem Arbeitslager gestorben. Mit Liebe zum Detail zeichnet Möller-Lück wichtige Momente aus Leschenkos Leben nach.

Dazu bedient er sich neben seiner Sprache auch Schwarzweißfotos von Pjotr Leschenko und seiner zweiten Frau Vera sowie zweier Figuren in Puppengröße, die die beiden als Hochzeitspaar darstellen. Das russische Dramentheater gibt es in Miniaturformat mit einer fingergroßen Vera in der Loge, ebenso eine winzige, wunderschöne Kirche. Ein anderes putziges Detail sind Hunde, Pferde und ein Kindermädchen als Pop-Up-Figuren in einem Notizbuch.

Die Zuhörer folgen dem Erzähler in verschiedene Jahre und an unterschiedliche Orte: In die Hafenstadt Odessa (erst sowjetisch, dann von Deutschen und Rumänen besetzt, heute Ukraine), nach Bukarest und nach Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine). Die politischen Verhältnisse sind verwickelt, der Denkapparat der Theaterbesucher surrt. Zum Lohn gehen sie berauscht von russischer Tangomusik nach Hause.

Karten: 0441/1 64 64

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