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Souffleuse bei „Mimi un de Möörders“
Monika Preuth
(47) ist verheiratet und hat zwei Kinder – Nicole (30) und Thomas (26). Gemeinsam mit Elke Hülskamp gibt sie den Schauspielern der DJK-Theatergruppe als Souffleuse Halt.
Das aktuelle Stück
„Mimi un de Möörders“ wird noch an vier Tagen – 23. und 24. sowie 29. und 30. Januar – aufgeführt. Die Aufführungen im Forum der Haupt- und Realschule Bösel beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse.
Die Böselerin arbeitet als Souffleuse bei der DJK-Theatergruppe. Der NWZ gibt sie ein paar Einblicke in ihren Bühnenalltag.
Von Thomas Bücher
Frage:
Frau Preuth, jetzt hab’ ich doch glatt vergessen, was ich Sie fragen wollte.
Preuth:
Vielleicht trinken Sie erst einmal einen Schluck oder essen eine Kleinigkeit.
Frage:
Sie können mir bei meinem Blackout nicht helfen?
Preuth:
Ich würde ja gerne. Aber ich habe jetzt ja kein Buch, in dem drin steht, was als nächstes gesprochen werden soll.
Frage:
Was können Sie denn bei einem Theaterstück tun – wie helfen sie ihren Schauspielern aus dem Text-Loch?
Preuth:
Vieles geht über den Augenkontakt. Wir – also Elke Hülskamp und ich – wissen schon, wenn jemand Hilfe braucht.
Frage:
Wie erkennen Sie das?
Preuth:
Ob ein Schauspieler eine Kunstpause einlegt oder Textschwierigkeiten hat, sehe ich daran, wie groß die Augen beim Schauspieler werden.
Frage:
Werden die denn oft groß?
Preuth:
In diesem Jahr wirklich selten, da muss ich unsere Schauspieler loben, die sind wirklich textsicher.
Frage:
Das war also auch schon anders?
Preuth:
Ich erinnere mich an eine Situation beim Stück „Blickschaoden“: Hans Grote musste auf der Bühne joggen und atemlos etwas fragen. Erst verpasste er seinen Einsatz, dann fiel ihm der Text nicht ein. Er ist dann immer von links nach rechts – also von Souffleuse zu Souffleuse – gelaufen. Irgendwann hatte er auch seinen Text wieder. Uns allen kam es vor wie Stunden, es war vermutlich nicht mal mehr als eine Minute – wenn überhaupt.
Frage:
Sitzen Sie – wenn alles glatt läuft – die ganze Zeit schweigend hinter dem Vorhang?
Preuth:
Nein. Im Grunde sprechen wir den Text komplett und ganz leise mit.
Frage:
Sie können also den ganzen Text auswendig?
Preuth:
Als ich vor 17 Jahren angefangen habe, war das vermutlich so. Jetzt nicht mehr.
Frage:
3. Akt, 1. Szene . . .
Preuth:
(schmunzelt) Das kann ich nicht sagen. (kurze Pause) Matthias hat Marlies im Arm, weil sie doch Angst vor Mäusen hat. Nina tritt auf und sagt: „Aha, also doch“ . . .
Frage:
Aha, Sie können es also doch! Mussten Sie schon einmal einspringen, weil ein Schauspieler verhindert war?
Preuth:
Nein. Das ist auch nicht so mein Ding. Ich bin lieber im Hintergrund.
Frage:
Wer kann seinen Text denn am besten?
Preuth:
Beate Höffmann. Die hatte noch keinen Hänger, keinen Aussetzer. Sie kann den Text wortwörtlich. Wenn sie auf der Bühne ist, bin ich immer ganz entspannt.
Frage:
Wie sind Sie überhaupt zum Theater gekommen?
Preuth:
Mein Mann – Heini Preuth – hatte zu dem Zeitpunkt schon zwei Jahre mitgespielt. Die damalige Souffleuse Elisabeth Kirsch brauchte – weil wir in der Haupt- und Realschule keinen Souffleusenkasten aufbauen konnten – eine zweite Souffleuse. Eine links, eine rechts. Sie knallte mir damals das Buch auf den Tisch, ich habe das geschluckt und den Text ganz schnell gelesen. Irgendwie bin ich dann da hängen geblieben.