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Theater wagt Blick in Zukunft

Maja Hinrichs

Oldenburg - Möchte ich ewig leben? Welche Bedürfnisse habe ich in einer Beziehung? Ist die Liebe mathematisch zu berechnen? Und was heißt es eigentlich, „Mensch“ zu sein? Ein Haufen von Fragen, um die sich unsere Gegenwart, aber auch Zukunft dreht.

Die Wissenschaft befindet sich in einem immerwährenden Kreislauf, die Medizin zu verbessern und damit künstlich den menschlichen Körper optimieren zu wollen. Aber wo befinden sich womöglich die Grenzen? Schneller laufen, besser hören oder Implantate im Gehirn? Das Schauspiel „Der Golem“ steht damit thematisch in einem aktuellen Kontext der Wissenschaft, und Regisseurin Luise Voigt wagt mit ihrer Inszenierung einen Blick in die Forschungslabore der Zukunft.

In Kooperation mit dem Hanse Wissenschaftskolleg Delmenhorst zeigt das Stück „Der Golem“ Tendenzen, wohin uns die Zukunft bringen könnte. Mitautor Tobias Ginsburg arbeitete in diesem Rahmen mehrere Monate mit den Wissenschaftlern des Instituts zusammen.

Digitale Zukunft

Das Online-Dating-Portal „Elite Partner“ ist beispielsweise eine Form virtueller Partnervermittlung. Abgestimmt auf das eigene Profil, berechnet der Computer, wer zu einem passen könnte.

Diese Form des technischen Fortschritts werde zur Bedingung der nächsten Jahre und damit unsere direkte Zukunft prägen, sagt Dramaturgin Daphne Ebner.

Grundlage des Stückes ist die Prager Legende von Rabbi Löw um 1580, der aus einer formlosen Masse ein künstliches Wesen belebt haben soll. Diese jüdische Sage findet aktuell immer wieder Bezugspunkte, wie beispielsweise in der Entwicklung des Microsoft Roboters „Tay“. Denn der „Golem, als Diener, hat seine direkte Entsprechung in Industrierobotern“, weiß Ebner.

Die Besonderheiten der aktuellen Inszenierung am Staatstheater liegen unter anderem im Umgang mit dem sogenannten „O-Ton-Theater“. Die Hörspielregisseurin Voigt, die bereits in der Spielzeit 2015/16 „Krieg der Welten“ inszenierte, hat hierzu Interviews zu den Themen Unsterblichkeit, Liebe sowie Optimierbarkeit des menschlichen Körpers geführt. „Ganz normale Leute wurden hierbei zu sehr komplexen Themen befragt“, beschreibt die Dramaturgin. Dazu mussten sie sich sehr stark öffnen und intimste Gedanken verraten.

Interviews anonymisiert

Auf der Bühne werden diese Interviews anonymisiert wiedergegeben. Hierbei ist vor allem die „technische Virtuosität“ der Schauspieler gefragt. Denn Voigts Inszenierung setzt auf Transkription von Sprachfehlern, stotternden „ähms“ wie auch Atemgeräusche. Erst so wird laut Ebner die Individualität der Interviewpartner deutlich. Diese Form sei für Schauspieler eine Herausforderung.

Das Staatstheater sieht sich in dem Stück „Der Golem“ als ein „Experimentierraum“, um Zukunftsvisionen durchzuspielen. „Hier darf der Blick in die nächsten Jahrzehnte gewagt werden“, sagt Ebner.

Gesamtpaket der Kunst

Zu einem großen Ganzen wird die Inszenierung in der Exerzierhalle aber erst durch alle Mittel im Gesamtpaket: sprich Text, Raum, Sound, Kostüm und Umsetzung durch die Schauspieler. Auf der Bühne sind Klaas Schramm, Franziska Werner, Rajko Geith und Pirmin Sedlmeir zu sehen.

Die Oldenburger Uraufführung entstand aus der kooperativen Autorenschaft von Luise Voigt, Tobias Ginsburg, Daphne Ebner und Matthias Moor. Raum und Sound wurden durch Matthias Moor und die Kostüme von Clara Kaiser entwickelt.

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