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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Theaterreise im Luftschutzbunker

31.10.2015

Wilhelmshaven Es war bedrückend. Intensiv. Und berührend. Die Premierengäste der Uraufführung von „Fliegeralarm“ erlebten am Donnerstagabend eine ganz besondere Theatervorstellung. Weit weg von den gemütlichen Sesseln im Stadttheater nahmen die Landesbühne Niedersachsen Nord und die freie Künstlergruppe „Das Letzte Kleinod“ die Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Und mit hinein in den weniger gemütlichen Truppenmannschaftsbunker T750 an der Jadeallee.

Begehbare Vorstellung

Wie war das damals, als die Sirenen heulten und das Signal gaben, unverzüglich den Bunker aufzusuchen? Wie haben die Kinder das erlebt? Anhand der Erinnerungen von Zeitzeugen hat Regisseur und Autor Jens-Erwin Siemssen ein Werk geschaffen, das auf keiner Bühne der Welt so wirklichkeitsnah wirken kann wie in einem Bunker. An einem Ort, an dem Menschen um ihr Leben fürchteten.

Kleine Hinweise zeugen immer noch von der Vergangenheit. Aufschriften auf einer Tür warnen vor Gas, andere kennzeichnen die Hauptwasserleitung oder die Sanitätsstation. Geräusche, Stimmen und Klopfen sind nicht zu verorten, es scheint, als würde jemand direkt neben einem stehen und sprechen. Doch die Geräusche kommen aus den anderen Räumen des Bunkers, in denen andere Erinnerungen wirklich werden.

„Fliegeralarm“ ist als begehbare Vorstellung konzipiert, in Kleingruppen werden die Besucher im 20-Minuten-Takt von den Darstellern zu den einzelnen Szenen geführt. „Kommt mit!“, fordern sie die Zuschauer auf. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn man selbst zum Statisten wird. Anna Rausch und Gerrit Bernstein (Landesbühne) sowie Gonny Gaakeer und Johanna Fülle (Kleinod) vermitteln als junges Ebenbild der Wilhelmshavener Zeitzeugen, wie bedrückend die Erfahrungen waren. Sie berichten, wie der Bunker bei den Bombenangriffen wackelte, wie leblose Pferdekörper an der Grenzstraße lagen, dass an Nachtruhe nicht zu denken war und stets die Kleider für die nächtliche Flucht in den Bunker bereitlagen („Was habe ich mich geschämt, weil mein Nachthemd unter dem Mäntelchen hervorblitzte“).

Einzigartige Kulisse

Die Schauspieler zeichnen mit Stimme, Mimik und Gestik ein ausdrucksstarkes Bild von der Zeit im Bunker. Dabei müssen sich die Laien-Darsteller aus dem Jugendclub der Landesbühne und von den Silbermöwen nicht hinter den Profis verstecken. Die Kulisse ist einzigartig: Einzelne Räume sind in farbiges Licht getaucht, und als Requisiten dienen Gegenstände aus dem Bunker, wie Autofelgen oder Eisenrohre, die zu imaginären Kindern und Teddys werden.

Zurück bleibt ein ungutes Gefühl, als eine Darstellerin die Zuschauer am Ende in die Dunkelheit entlässt: „Der Krieg ist vorbei“ .

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