Westerstede - Die Theater-AG „Die Mücken“ hat unter der Leitung von Beate Ladewig und Ulrike Manßen die Komödie „Leonce und Lena“ von Georg Büchner einstudiert und zweimal erfolgreich auf die Bühne gebracht. Der vor 200 Jahren geborene Dramatiker ist nach wie vor aktuell, auch heute noch können in seinen Werken Bezüge zur Gesellschaft hergestellt werden.

Den Spagat zwischen der Bearbeitung eines klassischen Stückes und dem Bezug zu unserer Zeit gelang der Theater-AG des Gymnasiums Westerstede mit Bravour. Um die Aufführung des eigentlichen Stückes legten sie eine Rahmenhandlung. So begannen sie in die Thematik einzusteigen, indem sie das Geschehen kurz vor einer Premiere raus aus dem Backstagebereich holten und es kurzerhand auf die Bühne brachten. So entstand eine zweite Ebene, auf welcher das Geschehen des Stückes kommentiert und analysiert werden konnte. Diese Parallelität der zwei Ebenen war insbesondere für jüngere Zuschauer, die vielleicht noch nicht so vertraut mit der Ironie einer Komödie sind, hilfreich.

Nach der Einleitung durch die Bühnen-Theater-AG wurden die ersten zwei Akte des Stückes gegeben, welche nach der Pause auf der Bühne für das Publikum noch einmal zusammengefasst und diskutiert wurden. In dieser gespielten Diskussion wurde reflektiert, welche Erfahrungen die Mitglieder der Bühnen-AG in ihrem eigenen Leben schon gemacht haben und inwieweit diese in Relation zu denen der Protagonisten des Stückes stehen.

Nach den letzten drei Akten wurde das Dilemma, in dem Leonce und Lena stecken, dass sie ihrer Vorbestimmung nicht entfliehen konnten, wobei sie doch annahmen, genau dies erreicht zu haben, auf die heutige Zeit übertragen. Wie würde Lena heute reagieren – als emanzipierte Frau? Und wie würde sich Leonce verhalten – wo wäre sein Platz als Taugenichts und Faulpelz in der Gesellschaft?

Nicht nur die Rahmenhandlung, auch die schauspielerische Leistung der jungen Akteure verdient Lob. Ihnen gelang es, schwierige Themen sicher und überzeugend zu vermitteln. Themen wie die Langeweile und Eintönigkeit des Alltags, die Frage, ob Liebe nur eine Illusion, ein flüchtiger Moment sei und ob sie sich nicht eigentlich nur an die eigene Person im anderen richte, ebenso wie die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens, sind nicht einfach zu behandeln.

Den jungen Schauspielern ist es gelungen, eine originelle und moderne Fassung eines noch heute relevanten Stückes auf die Bühne zu bringen. Sie können zu Recht stolz auf sich sein.