Rastede - Elektrisch verzerrte Gitarren kreischen durch das Palais, präzise schleppt das Schlagzeug den Song durch den Hintergrund und ein Schellenkranz setzt Akzente, die zunächst gar nicht zum psychedelisch-rockigen Klang passen mögen. John Lennons Stimme schlägt sich eine krächzend-mächtige Schneise durch die Instrumente und setzt zum Refrain an: „Happiness Is A Warm Gun“.
Der Hit vom weißen Album, das 1968 die Spätphase der Beatles als reine Studioband einläutete, war nur eine von vielen Lennon-Kompositionen, die jetzt in Rastede ertönten. Autor und Schauspieler Achim Amme sowie Rock- und Folk-Musiker Volkwin Müller präsentierten im Palais einen Rückblick auf die letzten Lebensjahre Lennons.
Amme las Passagen aus Lennons Biografie und beleuchtete einige seiner Songs genauer, selbstverständlich nicht ohne gezielt ausgewählte Beispiele abzuspielen.
Für die Live-Musik war Müller zuständig, der die Lennon-Kompositionen mit Gitarre und Cajón in ein schlichtes Akustik-Gewand hüllte. Statt den großen Songs damit die Zugkraft zu nehmen, schaffte Müller eine Reduktion auf das Wesentliche: starke Texte mit schönen Melodien zu präsentieren, die einen Blick hinter die Kulissen des Medienphänomens Lennon warfen. Dabei durften Hits wie „Imagine“ nicht fehlen, doch auch spätere Werke vom Album „Double Fantasy“, das mit Ehefrau Yoko Ono entstand, wurden im ausverkauften Palais gespielt.
Das persönliche Leben Lennons, mitsamt aller Höhen, Tiefen und eigenwilligen Eskapaden, war der umfangreiche Gegenstand, den Amme und Müller sich für diesen Abend vorgenommen hatten und es dabei schafften, ein Verständnis für die Pop-Ikone zu schaffen.
Große Sympathie
Dass die beiden Künstler große Sympathie für John Lennon haben, war ihnen jederzeit anzumerken. So auch, als Amme mit schelmischem Lächeln die Anekdote vom Aufeinandertreffen Lennons mit dem ehemaligen Beatles-Produzenten George Martin erzählte: „John sagte, wenn er die Zeit hätte, würde er alle Beatles-Songs neu aufnehmen wollen. George Martin konnte das angesichts der Fülle von großartigen Aufnahmen gar nicht recht glauben und erwiderte: Aber John, was ist denn z.B. mit ,Strawberry Fields‘? John antwortete darauf ganz trocken: Ganz besonders ,Strawberry Fields‘.“
Dichte Atmosphäre
Besonders gut funktionierte die Retrospektive von Amme und Müller dann, wenn die sonst abwechselnd präsentierten Elemente zusammengriffen. So unterstützte Müller die biografischen Auszüge an einigen Stellen lautmalerisch, was eine einzigartig dichte Atmosphäre erzeugte.
Der Mord an Lennon im Dezember 1980 beendete ein Künstlerleben, das vor allem durch Unsicherheit gekennzeichnet war. Sehr passend spielte Müller als Zugabe so auch einen weiteren Song aus der Beatles-Zeit, die Lennon großmachte: „You’ve Got To Hide Your Love Away“. Am 9. Oktober wäre John Lennon 75 Jahre alt geworden.
