Wildeshausen/Ostrittrum - Männer küssen Frauen, Mütter küssen Babys, Freunde hauchen sich zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange und sogar die Tiere drücken ihre Lippen aufeinander, um Zuneigung auszudrücken. Die Prinzessin küsst den Frosch, unter Mistelzweigen muss unbedingt geknutscht werden, und wer an seinem 30. Geburtstag keine Jungfrau zum Freiküssen findet, fegt wohl länger als ihm lieb ist.

Das Spektrum des Kusses ist extrem weit gefächert. Grund genug, ihn mit einem offiziellen Gedenktag an diesem Montag zu ehren. Angeblich wurde der internationale Aktionstag im Jahr 1990 in Großbritannien etabliert und hat inzwischen fast die ganze Welt erreicht. Doch was fällt den Wildeshausern zum Thema Kuss ein?

Einen ganz besonders emotionalen Kuss haben sich Sarah und Kai Schmale unmittelbar nach dem Erfolg des VfL Wittekind im Fußballspiel gegen Atlas Delmenhorst Ende Mai gegeben.

„Ich habe mich damals extrem doll für meinen Mann gefreut, der sich so sehr gewünscht hatte, die Mannschaft vor seinem Karriereende in die nächste Liga zu führen“, schwelgt Sarah Schmale in Erinnerungen. Seit zweieinhalb Jahren ist das junge Paar verheiratet, da war der Siegeskuss das I-Tüpfelchen auf dem großen Erfolg.

„Ich liebe es, mein Söhnchen Nalain abzuküssen“, schwärmt Natascha Einemann aus Wildeshausen. Und der dreimonatige Wonneproppen genießt so viel Mutterliebe. „Das ist leider bei meiner 14-jährigen Tochter Lea schon etwas anders“, bedauert die dreifache Mutter. Immerhin freut sich die achtjährige Kimberly noch über einen mütterlichen Kuss auf die Wange.

Bei vielen Tieren, aber auch einigen noch ursprünglich lebenden Völkern, wird von Müttern vorgekaute Nahrung von Mund zu Mund an ihre Kinder weitergegeben. Manche Forscher sehen dies als möglichen Ursprung des Küssens. Viele Tiere nehmen im Kopfbereich Kontakt auf. Durch die Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinne im Mund werden möglicherweise Informationen aufgenommen, die für Partnerwahl oder andere soziale Interaktion wesentlich sein könnten.

Dass das im Fall der Affen im Tierpark Ostrittrum auf jeden Fall stimmt, bestätigt Tanja Riesmeier, die den Wild- und Freizeitpark gemeinsam mit ihrer Familie betreibt. „Die Tiere gehen innerhalb des Familienverbandes sehr liebevoll miteinander um“, sagt sie. Doch auch die beiden Esel Hans und Franz lassen sich auf der Suche nach Leckereien schon einmal zu einem kleinen Wangenküsschen für die Wildparkbetreiberin verleiten.

Angesichts der sommerlichen Hitze zeigen sich die Tiere in Ostrittrum derzeit allerdings weniger stürmisch als sonst. Mal sehen, ob das auch auf die Wildeshauser an diesem Montag zutrifft.