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Discos In Oldenburg Tiffany-Stuben: DJ Penning mit der Python um den Hals

Stephan Onnen

Oldenburg - Wenn Hans-Hermann Brüggemann vom „Tiffany“ erzählt, bekommt er einen verklärten Blick. Könnte er sich noch einmal eine Nacht in seinem Leben zurückwünschen, würde er die Zeit um 40 Jahre zurückdrehen. Er würde sich ins Jahr 1974 – genauer gesagt, ins „Tiffany“ an der Alexanderstraße – katapultieren. „Der Laden zog mich magisch an“, sagt der heute 63-Jährige. Die Diskothek verkörperte damals einen neuen Zeitgeist. Konventionen waren für Betreiber Emil Penning nur dazu da, um gebrochen zu werden.

Billard um 2500 Mark

Penning, Jahrgang 1945, war eine schillernde Persönlichkeit. „Er war ein ausgeflippter Typ, ziemlich abgedreht“, erinnert sich Manni Dieks, der 1981 das „Ede Wolf“ eröffnete. Allein die Geschichte, wie Penning zum „Tiffany“ kam, spricht Bände: Mit Vor-Inhaber Tino Dimoro spielte er eine Partie Billard um 2500 D-Mark. Sein Kontrahent verlor, statt des Geldes überließ er Penning die „Tiffany-Stuben“, so der vollständige Name des Lokals. Penning, der eigentlich Schauwerbegestalter gelernt und als Musiker u. a. mit Chris Howland und dem späteren Trio-Schlagzeuger Peter Behrens auf der Bühne gestanden hatte, eröffnete den Laden am 1. August 1973. Damals trug er einen Bart und Zylinder, und wenn er nachts Platten auflegte, hängte er sich eine Python namens „Eley“ um den Hals. Die hielt er Gerüchten zufolge tagsüber im Kühlschrank, damit sie abends träge war und ihn nicht würgte. Penning hat mit der Schlange „viel Spaß gehabt“, wie er 2008 in einer Filmdokumentation von Marten Seedorf berichtete. Kaum zum Lachen zu Mute war hingegen 1977 einem Parkkontrolleur, der einmal Penning an der Peterstraße ein Knöllchen verpassen wollte. Als der „Tiffany“-Betreiber daraufhin „Eley“ aus dem Kofferraum holte, ergriff der Mann die Flucht. Penning setzte ihm mit der Schlange nach, bis ihn schließlich die Polizei stoppte.

Mit dem Gesetz in Konflikt geriet Penning auch im „Tiffany“, das stets im Ruf stand, auch Publikum aus der Halbwelt und Drogenszene anzulocken. Gelegentliche Razzien waren die Folge. Emil Penning habe dann immer die Nebelmaschine angeschmissen, erinnert sich Hans-Hermann Brüggemann. „Das Zeugs wurde in den Sofas versteckt“, grinst Penning. Gefunden worden sei nie etwas. Die Polizei deklarierte ihr Einschreiten dann auch als „vorbeugende Maßnahme“.

Hosen flattern vor Boxen

Hans-Hermann Brüggemann war nicht nur von der Exzentrik Pennings, sondern auch von der neuen Musik, die der DJ unter der Woche in Amsterdam besorgte, fasziniert. Keine Hitparaden-Musik, schon gar nicht Schlager, sondern Rock-Songs von Manfred Manns Earth Band, Yes, Jethro Tull, Frank Zappa, Jimi Hendrix, Genesis und Wishbone Ash drangen aus den legendären VitaVox-Boxen. „Die waren so groß, da standen die Leute vor und die Hosenbeine flatterten“, erinnert sich Penning. Ein Mythos um diese Riesen-Lautsprecher besagt, dass die Anlage von der Gruppe Pink Floyd bei den Aufnahmen zu Film und Album „Pompeji“ eingesetzt worden war. Tatsächlich wurden nicht diese, sondern andere Boxen gleichen Typs verwendet.

Ebenfalls ungewöhnlich: Das „Tiffany“ verlangte weder Eintritt noch Mindestverzehr. „Emil war sehr sozial“, weiß Brüggemann. „Er ließ die Leute sogar auf der ,Liegewiese’ übernachten.“ Unvergessen sind ihm die von Penning während der Disconächte veranstalteten Wettbewerbe. Dabei gewann Brüggemann im Winter 1976 einen Cockerspaniel-Welpen: „Heute ist sowas undenkbar“. Das dürfte auch für Pennings Spleen gelten, ein Ferkel namens Gustav in seinem Daimler zu kutschieren und sich damit am Lefferseck zu zeigen.

Nach vier Jahren ging es mit der Diskothek bergab. Obwohl Penning das „Tiffany“ 1977 noch einmal umbaute und ganz in Weiß gestaltete, war das Lokal nicht mehr zu retten. Im September des selben Jahres wurde die Disco geschlossen. Das Hifi-Studio Ripken + Ripken übernahm das Gebäude, das in den 90ern schließlich abgerissen wurde. Heute befindet sich dort eine Tankstelle.

Mit 51 ins Wohnheim

Emil Penning zog mit 51 Jahren ins Wohnheim des St. Elisabeth-Stiftes nach Lastrup. Musik spielt noch immer eine wichtige Rolle in seinem Leben. So spielt er für die Bewohner auf dem Akkordeon und sitzt im „Freak-Orchester“ im Gemeindepsychiatrischen Zentrum in Cloppenburg am Keyboard. Am Plattenteller sah man ihn zuletzt 2012 bei einer Tiffany-Revival-Party im Müggenkrug. Die guten alten Zeiten wieder aufleben lassen will der heute 68-Jährige am 28. Juni bei der DJ-Night am Schlossmuseum Jever. „Die Erinnerungen daran“, sagt Penning, „kann mir keiner nehmen.“

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