Hamburg - Dieser Held ist ein dreckiger Held. Vincent ist einer jener Cops, die nicht zu den Guten gehören: offensichtlich korrupt, im Herzen hart und mit den Fäusten ungewöhnlich brutal. Für einen Gesetzeshüter zu lasterhaft, für einen verdeckt ermittelnden Polizisten fragwürdig. Eine Gestalt wie aus dem Film Noir. Vielleicht geht deshalb von Jamie Foxx, der diesen Typen in „Sleepless“ (deutsch: schlaflos) spielt, eine Faszination aus: Im Dunkel von Las Vegas jagt er Drogenhändler, im Stillen kassiert er seit Jahren ab.

Allerdings: Als er mit seinem ebenfalls korrupten Partner eine millionenschwere Kokainlieferung erbeutet, ist die Freude kurz – die Ladung war für einen üblen Casino-Boss (Dermot Mulroney) bestimmt. Der fackelt nicht lange und entführt im Gegenzug Vincents Sohn. Zudem kommt Vincent eine interne Ermittlerin, die großäugige Kollegin Jennifer Bryant (Michelle Monaghan), auf die Spur. Ein Katz- und Maus-Spiel beginnt, in dem sich die Grenzen von Gut und Böse verschieben.

Der Thriller basiert auf dem französisch-belgischen Krimi „Sleepless Night – Nacht der Vergeltung” von 2011. Beim Remake hat man den Albtraum aus Angst, Verzweiflung und Gewalt robust auf amerikanische Action gebürstet. Die neue Produktion ist die erste Hollywood-Arbeit des Schweizer Regisseurs Baran bo Odar, der zuletzt mit dem Cyber-Thriller „Who Am I – Kein System ist sicher” auf sich aufmerksam machte.

„Sleepless“ spielt in einer Nacht, ähnlich wie Michael Manns „Collateral“. Die Kamera saust bei Verfolgungsfahrten rüstig durch die Straßen der Casino-Stadt, zügige Dialoge treiben die Handlung voran bis zum nötigen Showdown in einer Tiefgarage mit der Abstrafung der Bösen. Das wäre über 95 Minuten erträglich bis gut, wenn die Mimik von Jamie Foxx nicht eingefroren wäre und es nicht schon Filme wie „Departed“ oder die „Stirb-Langsam“-Reihe gäbe.

„Sleepless“ ist tüchtig ins Dunkel getaucht. Aber nicht jede trübe Pfütze hat auch Tiefe. Und wenn die Musik noch so grummelt, das Drehbuch hangelt sich irgendwann nur noch von einer Schießerei zur nächsten Ballerei des unbesiegbaren Helden.

Ein B-Film, nicht mehr. Aber auch nicht weniger.