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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Töne durch Kratzen an Steg und Saiten erzeugen

29.07.2016

Emden Einer der bedeutendsten lebenden Komponisten, Helmut Lachenmann, wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus in Leonberg auf. Anders als sein Vater, der zu Bachs Musik Tränen der Rührung vergießen konnte, ging dem Kind das Fragwürdige der Musik nach der Niederlage in Stalingrad auf. Damals hatte NS-Propagandaminister Goebbels angeordnet, im Rundfunk die 5. Sinfonie von Beethoven zu spielen.

Nach diesen Erfahrungen war für Lachenmann das „konkrete Komponieren“ immer auch die Aufarbeitung eines Traumas. Von diesen musikalischen Hintergründen, die in keinem Lexikon zu finden sind, erzählte der 80-Jährige vor, während und nach dem Komponistenpor­trät in der Emder Kunsthalle.

Der Auftakt des Abends, seine erste Komposition von 1956, zeigte in fünf Variationen über ein Thema von Franz Schubert für Klavier, dass Lachenmanns Avantgarde auf einem soliden handwerklichen Können und Vorbilder wie Bartok, Strawinsky und vor allem Webern fußt.

Von 1958 bis 1960 war Lachenmann der einzige Schüler des großen Luigi Nono. Die Ästhetik Adornos, die Musik Nonos und die politisch-intellektuelle Atmosphäre der Darmstädter Ferienkurse prägten fortan seinen Fortgang. Bekannt wurde er vor allem mit Werken, die dem alten philharmonischen Ton entsagen und „die Instrumente klanglich entleeren“, wie er es formuliert. Was das bedeutet, präsentierte das junge Furiant-Quartett mit dem 1. Streichquartett „Gran torso“.

Lachenmann, dem es am liebsten wäre, dass seine Werke zweimal am Abend erklingen würden, ließ entscheidende Takte vorweg demonstrieren. Weil diese spezielle Tonerzeugung durch Kratzen an Korpus, Steg, Saiten und anderen Stellen auch beobachtet sein will. Der Komponist nennt das „Musique concrete instrumentale“. Dabei stellte er sich auch Nachfragen aus dem Publikum und spielte sein Werk „Ein Kinderspiel“ von 1980 selbst am Flügel.

Nach der Pause stand mit „Got lost“ für hohen Sopran und Klavier ein umfangreiches Werk der jüngsten Zeit auf dem Programm. Die Texte von Friedrich Nietzsche, Fernando Pessoa und einer Anonyma, deren Wäschekorb verloren ging, werden in ihr phonetisches Material zerlegt, die Stimme von Yuko Kakuta kämpfte sich zum Niederknien durchs Gestrüpp der zerfetzten Worte und Sinnbezüge. Die Pianistin Yukiko Sugawara bewältigte ihren schweißtreibenden Part diszipliniert. Zum Schluss gab es verdienten Applaus.

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