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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Toni Erdmann“ räumt sechs Lolas ab

29.04.2017

Berlin Klare Siegerin beim 67. Deutschen Filmpreis: Maren Ades inzwischen in aller Welt spektakulär erfolgreiche Tragikomödie „Toni Erdmann“ wird nun auch in ihrem Heimatland mit dem wichtigsten Filmpreis geehrt. Neben dem Hauptpreis für den besten Spielfilm holte Ade mit ihrem Vater-Tochter-Drama fünf weitere Lolas: Sandra Hüller und Peter Simonischek wurden als beste Hauptdarsteller geehrt. Auch in den Kategorien Regie, Drehbuch und Schnitt gewann die skurrile Geschichte über eine Managerin und ihren Alt-68er-Vater.

Die mit acht Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangene Holocaustforscher-Komödie „Die Blumen von gestern“ (Regie: Chris Kraus) mit einem starken Lars Eidinger gewann am Ende überraschend keine einzige Auszeichnung.

In der Königsklasse hatten die Frauen einen starken Auftritt: Die Silber-Lola in der Spielfilm-Sparte ging an das Abtreibungsdrama „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached, die Bronze-Lola holte Nicolette Krebitz mit ihrem Wolfs-Film „Wild“.

Als beste Nebendarsteller wurden Fritzi Haberlandt für „Nebel im August“ und der Österreicher Georg Friedrich für „Wild“ geehrt. „Was für ein Jahr!“, rief Friedrich, der im Februar bei der Berlinale für „Helle Nächte“ bereits den Darsteller-Bären bekommen hatte.

Der Film „Toni Erdmann“, der seinen Siegeszug im vergangenen Jahr in Cannes startete, wurde inzwischen in mehr als 150 Länder weltweit verkauft. In den deutschsprachigen Ländern sahen eine Million Menschen den Film im Kino. Obwohl er beim Filmfest in Cannes trotz Favoritenrolle ebenso leer ausging wie bei der Oscar-Verleihung heimste Ades Film international bereits zahlreiche Preise ein - darunter auch den Europäischen Filmpreis.

„Ich hoffe, dass der Erfolg von „Toni“ eine Ermutigung ist, noch mehr an das Kino zu glauben“, sagte Ade mit Blick auf das Autorenkino. „Ich hatte alle Freiheiten bei dem Projekt, vieles auszuprobieren.“ Dies wünsche sie auch anderen Filmemacher. Und: „Lasst uns solche Wettbewerbe auch nicht zu ernst nehmen.“ Hüller, die im Film von ihrem sich unmöglich benehmenden Vater besucht wird, meinte lachend an ihren eigenen Vater gerichtet: „Mein lieber Papa, ich wäre niemals sauer, wenn du mich irgendwo überraschend besuchen würdest.“

Deutlich politische Töne schlug bei der Gala im Palais am Funkturm die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Schauspielerin Iris Berben, an. Sie rief die Filmschaffenden auf, Haltung zu zeigen. „Wir haben etwas zu verteidigen“, sagte Berben. Es gehe um Demokratie, ein gemeinsames Europa und „unsere Freiheit“. Rechtspopulisten dürften keinen Platz bekommen.

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wurde deutlich: Wo sich Hass und Hetze gegen Andersdenkende wie ein Virus verbreiteten, könne Filmkunst „Köpfe und Herzen gegen dieses Virus immunisieren“.

Bei der von Schauspielerin Jasmin Tabatabai moderierten Gala verkniffen sich die meisten Präsentatoren laue Witzchen und zogen damit wohl auch die Lehre aus anderen, teils missglückten TV-Preisverleihungen.

Für launige Lola-Momente sorgte zum Beispiel Bjarne Mädel. Er nahm es mit Humor, als er von seiner Laudatorenpartnerin Anneke Kim Sarnau aufgezogen wurde, dass er keine Chancen auf die Darsteller-Lola hatte. „Ich bin für alle immer nur der lustige „Tatortreiniger““, klagte er augenzwinkernd.

Auf dem roten Teppich gab es ein paar Farbtupfer: Natalia Wörner kam in Grün, Palina Rojinski in Hellblau und Julia Jentsch in Lila. Anna Maria Mühe zog die Blicke mit einem blau-weißen, in der Mitte luftigen Abendkleid auf sich - Ruby O. Fee mit einer sehr durchsichtigen Rückenansicht.

Überwältigt von der Auszeichnung für ihr Lebenswerk war die 79-jährige Schnittmeisterin Monika Schindler („Freier Fall“, „Nachtgestalten“). „Leute, Leute, bitte setzt euch hin“, rief sie in den Saal, wo sich die Zuschauer zum Applaus erhoben hatten.

Die Gewinner im Überblick

Bester Spielfilm:
Gold: „Toni Erdmann“ von Maren Ade
Silber: „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached
Bronze: „Wild“ von Nicolette Krebitz

Bester Kinderfilm:
„Auf Augenhöhe“ von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf

Bester Dokumentarfilm:
„Cahier Africain“ von Heidi Specogna

Beste weibliche Hauptrolle:
Sandra Hüller („Toni Erdmann“)

Beste männliche Hauptrolle:
Peter Simonischek („Toni Erdmann“)

Beste weibliche Nebenrolle: 
Fritzi Haberlandt („Nebel im August“)

Beste männliche Nebenrolle:
Georg Friedrich („Wild“)

Beste Regie:
Maren Ade („Toni Erdmann“)

Bestes Drehbuch:
Maren Ade („Toni Erdmann“)

Bestes Szenenbild:
Tim Pannen („Paula“)

Beste Tongestaltung:
Rainer Heesch, Martin Steyer, Christoph Schilling und Lars Ginzel („Wild“)

Beste Filmmusik:
Oli Biehler („Das kalte Herz“)

Beste Kamera/Bildgestaltung:
Reinhold Vorschneider („Wild“)

Bester Schnitt:
Heike Parplies („Toni Erdmann“)

Bestes Kostümbild:
Frauke Firl („Paula“)

Bestes Maskenbild:
Kathi Kullack („Das kalte Herz“)

Auszeichnungen, die bereits vorab feststanden:

Besucherstärkster Film des Jahres:„Willkommen bei den Hartmanns“ von Simon Verhoeven

Ehrenpreis:
Schnittmeisterin Monika Schindler

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