• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
Maaßen wird nicht befördert und wird Sonderberater
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 8 Minuten.

Parteivorsitzende Einigen Sich
Maaßen wird nicht befördert und wird Sonderberater

NWZonline.de Nachrichten Kultur

„TV-Serien verdrängen das Kino“

14.07.2018
Frage: Sind denn alle seit ein paar Monaten besonders nett zu Ihnen?
Neumann: Das ist mir nicht besonders aufgefallen – warum?
Frage: Im Internet wurden Sie noch im Mai als Nachfolger für Dieter Kosslick gehandelt – als Leiter der Berlinale. Hätten Sie’s gemacht?
Neumann: Ja, das hätte ich mir tatsächlich zugetraut, und natürlich war ich furchtbar geschmeichelt, dass ich von einer internationalen Branchenzeitschrift als Berlinale-Leiter gehandelt wurde. Natürlich weiß ich, wie viele andere auch, dass man vieles bei der Berlinale viel besser machen kann.
Frage: Was hätten Sie denn als erstes an der Berlinale geändert?
Große Erfahrung im Filmgeschäft: Festival-Leiter Torsten Neumann BILD: Torsten von Reeken

Filmfest Oldenburg

Das Oldenburger Filmfestival findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt und zwar in der Zeit vom 12. bis zum 16. September. Das international ausgerichtet Programm wird gerade erstellt, Karten kann man im Moment noch nicht kaufen. Torsten Neumann (53) leitet das Festival, das auch mehrere Filmpreise vergibt, seit 1998 allein. Im Jahr 2015 wurde das Festival vom „MovieMaker Magazin“ unter die „25 Coolest Film Festivals in the World“ gewählt. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.filmfest-oldenburg.de.

Neumann: Das Angebot ist einfach zu überbordend, es gibt zu viele Sektionen. Man will der Politik gefallen und schielt dabei nur auf möglichst viele Zuschauer. Darum werden immer mehr Filme eingesammelt, was zur Folge hat, dass man auf der Berlinale vom Programm erschlagen wird. Und: als einzelner Film geht man leicht in der Menge des Angebots unter – das sollte auf einem A-Festival nicht so sein.
Frage: Trägt Berlinale-Chef Kosslick eine Mitschuld?
Neumann: Ja, sicher. Und ich muss sagen, er hat nie wirklich den Eindruck vermittelt, dass er im tieferen Sinne ein Cineast ist, er interessiert sich nicht wirklich für die Filmemacher.
Frage: Wo ordnen Sie selbst das Oldenburger Filmfestival neben Berlinale, Cannes, San Sebastian oder Venedig ein?
Neumann: Unser Filmfest hat sich offenbar in einer Reihe mit Locarno, Rotterdam oder Toronto etabliert. Wir sind unabhängig, wir sind nicht zu groß, wir haben ein tolles Netzwerk, und wir machen, so hört man in der Branche, einfach ein gutes, sehr eigenständiges Programm. Darauf können wir stolz sein in Oldenburg.
Frage: In diesem Jahr findet das 25. Filmfest Oldenburg statt – Grund zum Jubeln?
Neumann: Wir blicken stolz auf 25 Jahre zurück, und wir basteln gerade an einer Art Best-Off der 25 Jahre.
Frage: Wie hieß der Eröffnungsfilm des ersten Oldenburger Filmfestes?
Neumann: Das war ein deutscher Film mit den Schauspielerinnen Maria Schrader und Anna Thalbach. Der hieß „Burning Life“ – eine herrliche Gangsterkomödie!
Frage: Was machen Sie gerade für das nächste Filmfest im September?
Neumann: Wir sichten Tag und Nacht Hunderte von Filmen – eine Riesenarbeit. Es macht Spaß, die Qualität ist gestiegen.
Frage: Gibt es in den gesichteten Filmen einen Trend?
Neumann: Viele Geschichten sind eine pessimistische Bestandsaufnahme unserer Welt. Der Eindruck „bad guys rule the world“ macht sich breit, es geht um aus dem Gleichgewicht geratene Machtverhältnisse, den Verlust von Moral und Empathie. Da wird vieles aus unserer Realität in dunkle Stories verpackt. Einige erzählen das ohne Hoffnung, andere begehren auf und erkämpfen der Menschlichkeit ihren Platz zurück.
Frage: Auf immer mehr Filmfestivals spielen Fernsehfilme und besonders TV-Serien eine große Rolle – was halten Sie davon?
Neumann: Ich halte gar nichts davon, ich bin der Meinung, dass es sogar grundfalsch und blanker Opportunismus ist. Als Festival fühlen wir uns einer bestimmten Kunstform verpflichtet – dem Film, und nicht dem Fernsehen! Da würde man am eigenen Ast sägen.
Frage: Aber Sie hatten auch schon mal einen „Tatort“ mit Maria Furtwängler im Programm. . .
Neumann: Stimmt, aber wir sind da in keiner Weise abhängig und gucken auf Qualität. Wir müssen eben die Balance finden, um das Publikum erst einmal zu uns zu holen. Aber die Tendenz, jetzt TV-Serien ins Programm zu holen, halte ich für höchst bedenklich. Das ist eine Mode und ein ganz anderes Format, das ist doch industriell erzeugte Fließbandarbeit, die neben eine klassische, individuelle Erzählkunst gestellt wird. Das geht gar nicht.
Frage: Manche sprechen sogar von einer neuen Erzählform durch TV-Serien.
Neumann: Das ist doch alles Quatsch. Da gibt es einen Auftraggeber, da gibt es einen Sender und klare formale Vorgaben. Das sind ganz andere Richtlinien, als unabhängige Kunst zu machen. TV-Serien verdrängen das Kino, sie stärken es nicht. Das haben viele nicht begriffen. So was müssen wir nicht fördern!
Frage: Sind Filmfestivals denn cineastische Biotope für eine eingeschworene Gemeinde?
Neumann: Ja, irgendwie schon, aber im Idealfall vergrößert sich diese Gemeinde von Jahr zu Jahr. Denn Filmfestivals haben Ereignischarakter, da kann man Filme entdecken, da trifft man Filmemacher, kann sich über das Erlebte austauschen – wo sonst geschieht das? Filmfestivals sind schon schützenswert.
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.