TOSSENS - Joe Robinson hat die Zinzendorfschule im Sturm erobert. Der 17-jährige australische Ausnahme-Gitarrist faszinierte bei einem Abendkonzert in das Aula mehr als 200 Besucher. Und mehr als 300 Schüler genossen sein morgendliches Konzert mit Frage- und Antwortspiel. Veranstalter des Konzerts war die zwölfte Klasse.

Lange vorbereitet

Monatelang hatten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 des Musiklehrers Wilhelm Magnus diesen Abend vorbereitet und dafür geworben. Sie bedienten Mischpult und Beleuchtung, verkauften Eintrittskarten und kümmerten sich um Speisen und Getränke in der Pause. Nur die Eröffnung des Konzertabends überließen sie dann doch lieber ihrem Kursleiter. Den Rest besorgte Joe Robinson.

In Begleitung seiner Mutter und seines Bruders sowie örtlicher Tour-Manager reist er seit mehr als einem Monat durch Europa. Nach Finnland und mehreren deutschen Orten traf er in Tossens ein und gestaltete mit seiner Lieblingsgitarre ein gut zweistündiges Programm.

Anhand eines Stückes erläuterte er, was und wie er spielt. Auf den sechs Gitarrensaiten spielt er Basslauf, Rhythmus, Begleitung und Melodie – mehr oder weniger gleichzeitig! Für Laien klingt das so, als seien mehrere Gitarristen auf der Bühne oder als gäbe es einen elektronischen Helfer.

Viele seiner Stücke hat der Siebzehnjährige selbst geschrieben, alle selbst bearbeitet. Ob von Wes Montgomery oder Chat Atkins, Stevie Wonder oder den Beatles – alle Stücke haben Joe Robinsons Charakter angenommen. Seine große stilistische Bandbreite eröffnet ihm viele Möglichkeiten.

Im Stile des legendären australischen Gitarristen Tommy Emmanuel unterhält Joe Robinson sein Publikum auf hohem Anspruchsniveau mit ebenso abwechslungsreicher wie unterhaltsamer Musik.

Joe Robinson spielt gern schnell, energisch und druckvoll. Auf die Frage eines Schülers erklärte er am Donnerstag, er habe schon einmal zwei Saiten bei einem Rocksong zerfetzt. Er kann aber auch, wenn es der Titel verlangt, gefühlvoll und einfühlsam mit seinem Lieblingsinstrument umgehen.

Die Reife seiner Spielweise, die Lockerheit und Abgeklärtheit vor Publikum, die Souveränität, mit der er sein umfangreiches Programm auswendig spielt, sind nicht nur für Gitarren-Laien verblüffend. Auch der Vollblut-Gitarrist Wilhelm Magnus gab zu, dass er beim ersten Konzertbesuch – noch vor dem Tossenser Auftritt – von Joe Robinsons Auftritt überrascht worden war.

Auffallend leise

Alle Zinzendorfschüler von der fünften bis zur neunten Klasse erlebten den jungen Gitarrenstar morgens in der Schule. Auffallend leise und konzentriert nahmen sie sein Spiel auf, begeistert applaudierten sie immer wieder. Sie hatten so viele Fragen vorbereitet, so viele spontan zu stellen, dass längst nicht alle beantwortet werden konnten.

So lernten sie, dass Joe Robinson aus dem 200 Einwohner zählenden Ort Temagog stammt. Alle Familienmitglieder – er hat drei Geschwister – spielen Instrumente. Als er sechs wurde, lernte Joe zunächst Klavierspielen, bevor er mit zehn Jahren seinen Traum erfüllt bekam und endlich Gitarre spielen durfte. Bald war klar: Er würde Berufs-Gitarrist, denn sein Talent entfaltete sich mit rasender Geschwindigkeit.

Der Lehrer gibt auf

Der örtliche Gitarrenlehrer war nach einem Jahr am Ende seines Lateins. Joe Robinson brachte sich das immer komplexere Spiel dann eben selbst bei – anhand guter Vorbilder und in täglicher, viele Stunden langer Probenarbeit, die ihm aber viel Spaß macht.

Zwar spielte er – erfolgreich – in einer Jugendband, doch Reisen und vieles andere sind für einen Solisten günstiger und einfacher zu organisieren. Also begann Joe Robinson seine Solo-Karriere. Nach einer Tournee durch die Vereinigten Staaten bewarb er sich um die Teilnahme am „Australian Idol“, der australischen Entsprechung von „Deutschland sucht den Superstar“ – und gewann. Dabei hatte er die Sendung vorher in Temagog nie gesehen.

Joe Robinsons Ziele sind klar: immer besser Gitarre spielen für eine erfolgreiche Karriere in der Zukunft. Die Chancen stehen ziemlich gut dafür.