TOSSENS - Knapp über 100 Musikfreunde kamen am Donnerstagabend in der Aula der Tossenser Zinzendorfschule in den Genuss eines besonderen Ereignisses. Sogar aus Wilhelmshaven, aber auch aus Stadland und Nordenham war Fans angereist, um Englands erfolgreichstes Folk-Duo Show of Hands live zu erleben. Auch einige Butjenter ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen.
Steve Knightley und Phil Beer, die erneut von Miranda Sykes unterstützt wurden, legten gleich mit einem ihrer Hits los: einer musikalischen Reise nach Indien, Südamerika und Irland. Den Refrain „All the way to Santiago“ sangen die Zuschauer gern und inbrünstig mit. An einer Stelle bedachte Steve Knightley passend die eingeschlossenen chilenischen Bergleute mit einer musikalischen Fürbitte.
Es folgten weitere elf Songs, „gute alte Bekannte“ und jüngere Kompositionen, in denen Show of Hands demonstrierte, warum sie nicht nur auf der Insel so populär sind. Ihre Lieder sind musikalisch liebevoll gestaltet. Phil Beer trägt da mit seinem gefühlvollen und einfallsreichen Gitarrenspiel sowie seiner dynamisch eingesetzten Fiddle einen großen Teil bei. Steve Knightley steht ihm an der Gitarre und der Bouzouki kaum nach und setze rhythmische und temperamentvolle Akzente. Miranda Sykes rundet die Instrumentierung mit ihrem Kontrabass souverän ab.
Meistens singt Steve Knightley die Lead-Stimme. Er tut das rauh, differenziert und mit viel Energie. Er ist auch der Schöpfer der meisten Stücke. Phil Beer begleitet ihn oder führt selbst, mit seinem „Folk-Tenor“, der so wohl klingt. Miranda Sykes rundet das Ganze mit einer ungewöhnlich kräftigen und wohltuenden Stimme ab.
Die Songs erzählen Geschichten von Land und Leuten, Gestern und Heute. Sie sind gern kritisch, wie etwa „Arrogance, Ignorance and Greed“ über skrupellose, raffgierige Banker, die eine Volkswirtschaft beinahe ruiniert haben, häufig mit lokalem Bezug zur südwest-englischen Heimat in Cornwall und Devon. Mitten im Konzert darf Miranda Sykes ihr Solo-Talent unter Beweis stellen: sie sang und begleitete sich allein mit ihrem Kontrabass – und ließ die Zuhörer staunen!
Zwei energisch erklatschte Zugaben setzten dem Konzert noch die Krone auf. Unverstärkt (neudeutsch: unplugged) spielten und sangen Phil und Steve vor der Bühne zunächst versetzt und dann zeitgleich „The Setting“ und „Mary from Dungloe“ Dann folgte noch ein Abschiedslied, das alle Drei zu Phils Geigenspiel intonierten.
Bestens eingestimmt auf das Konzert wurden die Besucher durch einen 35-minütigen Auftritt des Duos „Broom Bezzums“. Mark Bloomer und Andrew Cadie leben schon seit Jahren in Deutschland. Sie gestalteten ihre Ansagen auf Deutsch, mit leichtem britischen Akzent und sehr viel britischem Humor. Nach einem instrumentalen Auftakt mit Geige und Gitarre folgten ein Song über den Untergang von Imperien und eine nordirische Ballade. Dabei setzte Andrew Cadie die exotische „Northumbria small pipe“, einen kleinen Dudelsack aus seiner nordenglischen Heimat, ein. Mit einem mittelalterlichen Lied über zwei eifersüchtige Prinzessinnen-Schwestern und „Chains of Tyranny“ schlossen sie ihren heftig beklatschten Auftritt ab.
kam es in Tossens zu einer erfolgreichen gemeindeübergreifenden Kultur-Partnerschaft: Hans Meinen, Programmchef des Kulturzentrums Seefelder Mühle, engagierte das erfolgreiche englische Folkduo Show of Hans, die in der Aula des Tossenser Schule auftraten und vom Ferienpark Sunparks Nordseeküste bewirtet und untergebracht wurden. Zeitgleich mit dem möglichen Auftrittstermin von Show of Hands fand ein Platt-Art-Veranstaltung in der Seefelder Mühle statt. Hans Meinen hatte in Tossens ein Konzert von Joe Robinson gesehen und das Potenzial des Veranstaltungsraumes erkannt. Er sprach die Zinzendorfschule an und erhielt Raum und praktische Unterstützung. Für Ein- und Ausräumen der Aula sowie Beleuchtung sorgten Schüler und Lehrer. Die Direktion des Sunparks erklärte sich auf Anfrage sofort bereit, das Konzert durch die Unterbringung und Verpflegung der Musiker zu unterstützen.
