Wildeshausen - So ein ähnliches Gefühl hatte ich das letzte Mal vor Jahren beim scheinbar schwerelosen Treiben im Mittelmeer vor Rimini. Dabei liegt der dortige Salzgehalt nur bei knapp vier Prozent, während ich jetzt in einer 27-prozentigen Sole schwebe. Das ist fast soviel wie im Toten Meer, berichtet mir der medizinische Bademeister Stefan Hanhardt bei meinem ersten Floating-Erlebnis im Wildeshauser Sport- und Wellnesscenter „Auszeit“.
Neuheit in Wildeshausen
Dass man nicht nur in Hannover und Hamburg, sondern jetzt auch im kleinen Wildeshausen floaten kann, ist „Auszeit“-Investor Claus-Dieter Schmidt zu verdanken. Der kam beim Floaten in der Hansestadt auf die Idee, auch im eigenen Center ein solches Becken zu errichten.
Das hat übrigens mit den ersten Floatingmuscheln, die klaustrophobische Anwandlungen auslösen konnten, nichts mehr zu tun. „Unser Becken misst 2,50 mal 2,50 Meter und kann je nach Geschmack beleuchtet werden“, erläutert Hanhardt mir. Direkt neben den Knöpfen für Licht und Musik ist zudem ein Notrufknopf, den ich drücken kann, wenn mein Kreislauf verrückt spielt.
Vorbereitung wichtig
Damit das gar nicht erst passiert, habe ich mich genau an die Empfehlungen des Info-Zettels gehalten: kein Alkohol, keine großen Mengen fetthaltiger Speisen, keine Epilation etc. Während ich jetzt noch den medizinischen Aufklärungsbogen unterschreibe, lässt Hanhardt das 37 Grad warme Salzwasser ins Becken laufen.
Nun noch schnell unter die Dusche und dann ab durch die Glastür in den dunklen schallisolierten Raum. Die Ohrstöpsel, die Hanhardt mir bereitgelegt hat, brauche ich nicht und den nassen Waschlappen zum Wegreiben von brennendem Salzwasser – zunächst – auch nicht. Aber die halbe Schwimmnudel probiere ich als Nackenstütze aus. Man könnte ja vielleicht doch untergehen? Nein, kann man nicht. Sowohl die geringe Wassertiefe von 25 Zentimetern als auch der Effekt des Auftriebs machen ein Untergehen völlig unmöglich.
Als ich das merke, lasse ich die Schwimmnudel treiben und mich selbst auch. Mutig geworden, schalte ich nach gefühlt einigen Minuten die komplette Beleuchtung aus, aber diese weltraumartige Schwerelosigkeit in totaler Schwärze ist mir denn doch ein bisschen zu viel. Aber auch mit dezenter Deckenbeleuchtung lässt sich der Grenzbereich zwischen Schlaf und Wachbewusstsein ganz bewusst genießen.
Dass ich diesen Grenzbereich schließlich doch in Richtung Schlaf verlassen habe, merke ich erst, als es nach 60 Minuten wieder hell wird. In-stinktiv reibe ich mir die Augen, spüre das leichte Brennen und brauche nun doch den kleinen Waschlappen.
„Das ging mir auch so“, schmunzelt „Auszeit“-Betreiber Marcell Görke, als ich nach einer kurzen Nachruhe samt abschließender Wohlfühlmassage bei ihm im Bistro sitze. So mancher Neugierige habe sich seit der Eröffnung des Wellnessbereichs Mitte März inzwischen schon zum Floaten eingefunden, auch wenn die klassische Wellnesszeit ja eigentlich eher Herbst und Winter seien, berichtet er. Als Görke mich verabschiedet, fühle ich mich noch immer federleicht. Wiederholung nicht ausgeschlossen.
