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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kritik „la La Land“: Träumerischer Tanz mit viel Leidenschaft

06.01.2017

Bonn Was für ein Anblick! In der ganzen Weite des CinemaScope-Formats breitet sich Los Angeles County aus, die Stadt selbst blinkt verheißungsvoll am Horizont. Jedenfalls, wenn man nicht auf den verstopften Freeways dorthin muss, so wie die Menschen in den Fahrzeugkolonnen, mit denen ein wenig prosaischer Alltag in den Film kommt. Langsam gleitet die Kamera an den hupenden Autos entlang, bis eine Fahrerin plötzlich aussteigt und eine Hymne auf L.A. anstimmt, bald gefolgt von den anderen Wageninsassen.

Wie sie dabei im choreografischen Einklang auf den Autodächern singen und tanzen, erinnert an das aktuelle Phänomen der Flashmobs, ist zugleich aber schon die erste Referenz an die Geschichte des Musical-Genres. Tanzen ist im Kino immer auch „Freitanzen“. Ob wie hier von der Zumutung des Verkehrs und der kalifornischen Gluthitze oder wie im klassischen Hollywood von den diversen Drehbuch-Zwängen, die so vollendete Tänzer wie Fred Astaire, Ginger Rogers und Gene Kelly daran hindern wollten, sich ihrem ureigensten Talent hinzugeben.

Auch die Geschichte, die Regisseur Damien Chazelle in „La La Land“ (ab 12. Januar im Kino) erzählt, erinnert an Astaire-Rogers-Paare wie in „Top Hat“. So wie sie immer mehrere Begegnungen brauchten, um zueinander zu finden, ist es auch bei Ryan Gosling und Emma Stone als ihren modernen Wiedergängern Sebastian und Mia keine Liebe auf den ersten Blick. Mia arbeitet in einem Café und geht regelmäßig zu Vorsprechen, sieht ihren Traum aber stets nach einem Satz wieder platzen. Der Pianist Sebastian träumt vom eigenen Jazz-Club, tut sich aber vorerst schwer, auch nur die Lebenshaltungskosten mit seiner Musik zu bestreiten.

Lesen Sie hier alle Folgen unserer Tanzserie „Inga tanzt“.

Mit dem Ringen von Künstlern um einen Platz in der Welt greift Chazelle das Thema seines Films „Whiplash“ auf - freilich unter gänzlich anderen Vorzeichen. So ist es der jungen Frau vorbehalten, die Beziehung anzustoßen. Als sie Sebastian bald darauf auf einer Party wiedertrifft und das Gespräch mit ihm sucht, sprühen die Funken schon heftiger. Ein wenig kabbeln sie sich noch, doch ein Spaziergang schafft endgültig Klarheit: Im pastellfarbenen Licht der untergehenden Sonne und aufflammenden Straßenlaternen kommt es zur ersten einer Reihe charmanter Tanzszenen, die wegen der natürlichen Ausstrahlung der Darsteller zuerst spontan wirken, um dann an Intensität und Einfallsreichtum zuzunehmen.

Der Höhepunkt ist ein Besuch in dem Planetarium bei L.A., in dem schon zentrale Szenen von „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ gedreht wurden. Hier streift das Paar endgültig alle irdischen Fesseln ab und entschwebt in den Sternenhimmel, um seine Liebe dort tanzend zu besiegeln.

„La La Land“ ist weit mehr als ein Imitat der Filme von Vincente Minnelli oder Stanley Donen und erschöpft sich auch nicht in der bloßen Hommage. Chazelle lässt Mias und Sebastians Beziehung in vier Kapiteln und einem Epilog Höhen und Tiefen durchmachen, mit reichlich melancholischen Noten, die als weiteres Vorbild Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ ausweisen.

Ein glattes Happy End ist daher nicht zu erwarten, wenn Sebastian und Mia in der zweiten Hälfte ihre Karrierepläne neu ausrichten und sich der Preis des Erfolgs als bittersüß erweist. Dass Chazelle die Chemie zwischen den Darstellern über gesangliche und tänzerische Perfektion stellt, macht es leichter, sich in diese Welt der Träume hineinzufinden, die mittels der Musik beschworen wird. Nicht weil der Film weismachen würde, dass Träume stets in Erfüllung gehen müssten. Sondern weil er klarmacht, wie furchtbar es wäre, keine zu haben.

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