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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Tragische Flucht in Traumwelt

28.04.2008

BREMEN Ferdinand Bruckner (1891–1958) hieß eigentlich Theodor Tagger und war nicht nur der Gründer des Berliner Renaissance-Theaters, sondern unter seinem Pseudonym in den 1920er und 1930er Jahren auch einer der erfolgreichsten Bühnenautoren. Heute ist er fast vergessen. Dabei ist sein Stück „Früchte des Nichts“ von 1951, wie die Premiere im Bremer Schauspielhaus belegt, von erschreckender Aktualität.

Gert, Voss, Adi und Creszenz, alle kurz vor dem Abitur, befinden sich in einer Sinnkrise. Woran sollen sie glauben? Orientierende Werte gibt es nicht. Und so wollen sie sich in eine Traumwelt flüchten. Das Land der Sehnsucht war in den 50er Jahren Italien – dort könne man vielleicht die „theoretische Unannehmbarkeit der Existenz“ vergessen. Sie fahren per Anhalter, und Gert erschießt den Fahrer. Es ist einfach so passiert. „Aus dem Nichts habe ich geschossen und ins Nichts hinein.“

Die unterschiedlichen Charaktere wurden von Regisseur Sebastian Schug eindrucksvoll herausgearbeitet. Da ist die oberflächliche Adi, von Varia Linnéa Sjöström sehr „blond“ verkörpert, die ihr Weltbild aus Modezeitschriften gewinnt, daneben die recht bürgerliche, eher adrette Creszenz (Franziska Schubert), die ihr Heil in einer Art Hörigkeit sucht, egal ob es nun der Glaube an Gott oder der Glaube an Gert ist.

Christoph Rinke traf die Figur des zynischen Aussteigers Foss, der aber letztlich doch so etwas wie ein soziales Gewissen entwickelt, sehr genau. Der komplexe Charakter von Gert war bei der pointierten Darstellung von Sven Fricke bestens aufgehoben. Er, der anfangs eher wie ein netter Junge daherkommt, ist wohl in seiner Zerrissenheit und Hilflosigkeit die tragischste Figur.

Seine Mutter wurde von Gabriele Möller-Lukasz gespielt. Sie ist eine Meisterin der leisen Töne und zeigte tief berührende Verwundbarkeit und Betroffenheit. Detlev Greisner repräsentierte als Schuldirektor, Kommissar und Stadtrat das Establishment mehr mit Resignation denn Autorität. Johannes Flachmeyer war der koksende Leberecht sowie der Wachmann.

Das Bühnenbild von Chrisian Kiehl bestand zunächst nur aus einem Sofa vor hellem Vorhang, bevor der Blick auf eine collageartige, surrealistische Landschaft mit Mondlicht, einer Bergkapelle, einem Auto und einem ausgestopften Bären freigegeben wurde. Die Musik von Johannes Winde, der die Handlung mit bedrohlichen Klavierakkorden begleitete, verstärkte die düstere Grundstimmung ungemein. Eingestreut waren zudem Lieder von Morrissey und Queen.

„Früchte des Nichts“ ist nicht nur ein Stück über das nihilistische Lebensgefühl vieler Jungendlicher, es zeigt auch deutlich die Hilflosigkeit der Erwachsenen. Dem Bremer Theater ist eine eindrucksvolle Aufführung zu danken, die bei allem Ernst und Tiefgang auch gut unterhält.

Karten: 0421/36 53 333

Alle NWZ-Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater

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