Zürich - Nach schwerer Krankheit ist der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer am Mittwoch im Alter von 75 Jahren gestorben. Er zählte zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Widmer sei „einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller der Generation nach Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch“ gewesen, heißt es in einer Würdigung, die sein Hausverlag Diogenes am Donnerstag veröffentlichte.
Der Schock über seinen Tod sei groß, auch wenn bekannt gewesen sei, dass der Autor krank war, hieß es im Zürcher „Tages-Anzeiger“. „Er war ein Zauberer. Eine einfache Erzählsituation, ein Satz, ein Wort wurde für ihn zum Sprungbrett in die unendlichen Welten der Fantasie.“ Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der im vergangenen September starb, hatte Widmer bereits 1992 als „Weltliteraten“ bezeichnet.
Sein Debüt hatte der in Basel geborene Schriftsteller 1968 mit der Erzählung „Alois“ gegeben. Zu seinen wichtigsten Werken zählt die autobiografisch gefärbte Trilogie „Der Geliebte der Mutter“ (2000), „Das Buch des Vaters“ (2004) und „Ein Leben als Zwerg“ (2006). Darin verknüpfte Widmer individuelle Schicksale mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. 2013 veröffentlichte er die Autobiografie „Reise an den Rand des Universums“, die allerdings nur seine ersten 30 Lebensjahre umfasst.
Rund drei Dutzend Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Essays und andere Werke erschienen im Diogenes Verlag. Internationalen Erfolg als Dramatiker erlebte Widmer 1997 mit „Top Dogs“, einem Theaterstück über den Absturz von Spitzenmanagern.
