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KIRCHENMUSIK: Traum auf Umwegen erfüllt

07.10.2009

BERLIN /OLDENBURG Seine musikalische Karriere begann eigentlich mit einem Missverständnis. Die Eltern schenkten ihrem Sohn in bester Absicht ein Akkordeon, doch Andreas Sieling hatte es auf ein anderes Instrument abgesehen: „Ein Mitschüler spielte Klavier, und das wollte ich auch.“ Das Klavier wurde irgendwann angeschafft. „Die Quittung habe ich heute noch. Es kostete 1225 DM“, erklärt Andreas Sieling, in dessen Wohnung in Berlin-Tiergarten heute ein Flügel und eine Pfeifenorgel stehen.

Denn schnell hatte der junge Oldenburger auch das Orgelspiel für sich entdeckt. Seinen ersten Orgel-Unterricht und die Ausbildung zum Kirchenmusiker erhielt er in der Vareler Schlosskirche. Und im Alter von 14 Jahren bekam er dann seine erste „Stelle“ als Organist, in Schweiburg. Sein Talent sprach sich schnell herum, der junge Organist war gefragt. „Ich war jeden Sonntag im Einsatz und habe mir so das Geld für den Führerschein verdient“, erinnert sich Andreas Sieling.

Doch statt nun nach dem Abitur mit einem Orgel-Studium durchzustarten, wählte er einen ganz anderen Weg. Berufsmusiker wollte er nicht werden – aus Angst, dabei die Leidenschaft für die Musik zu verlieren. So studierte Andreas Sieling zunächst evangelische Theologie in Kiel. Von einer C-Musikerstelle – „die C-Prüfung habe ich in der Oldenburger Lambertikirche abgelegt“ – in einer Gemeinde konnte er leben. Nach einem Jahr brach Sieling aber das Theologie-Studium ab, ging nach Berlin und tat letztlich, was er machen musste: die Leidenschaft zum Beruf.

Nach kirchenmusikalischen Tätigkeiten in verschiedenen Gemeinden, bis 2005 als Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Frohnau und Kreiskantor von Reinickendorf, spielte er ganz groß auf: Dr. Andreas Sieling wurde Organist am Berliner Dom. „Das ist die Traumstelle“, schwärmt der Oldenburger.

Und sein Arbeitsplatz im Dom, die große Sauer-Orgel (Baujahr 1905, 113 Register, 7269 Pfeifen), gilt als einmalig. Es handelt sich um die größte noch im ursprünglichen Zustand erhaltene Orgel aus der Zeit der Spätromantik.

„Ich nenne sie immer die Stimme der Stadt Berlin“, sagt Andreas Sieling. Hört man ihr zu und schließt dabei die Augen, meint man, ein ganzes Orchester sei im Einsatz. „Sie hat eine unglaublich breite Klangfarbenpalette“, betont der Domorganist.

Die „Alte Dame“, wie die Sauer-Orgel auch liebevoll genannt wird, erklingt oft: bei Gottesdiensten, Mittags- und Abendandachten sowie Konzerten. Der imposante Dom mit seinen mehr als 2000 Sitzplätzen scheint der ideale Ort für diese Orgel zu sein.

Sieling ist ein gefragter Mann, nicht nur in Berlin, wo er seit 2006 auch noch ein Blechbläserensemble, die „Berliner Dombläser“, leitet. Zahlreiche Konzertreisen führten ihn in viele europäische Länder, nach Russland und in die USA. Er ist an CD-, Rundfunk- und Filmaufnahmen beteiligt.

Natürlich zieht es ihn auch immer wieder in die Heimat, um seine Mutter in Oldenburg zu besuchen, oder aber, um Konzerte zu geben; wie im vergangenen Sommer in Wiefelstede.

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