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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Für Ahmad Mansour geht ein Traum in Erfüllung

04.05.2016

Oldenburg Gleich am Anfang, in der Rede des Oldenburger Oberbürgermeisters, wurde alles auf den Punkt gebracht: „Sie haben mich zutiefst beeindruckt“, sagte Jürgen Krogmann (SPD).

Gemeint war beim Festakt vor 200 Gästen im Oldenburger Veranstaltungszentrum PFL der unerschrockene Psychologe, engagierte Islamexperte und arabische Israeli Ahmad Mansour, der seit 2004 in Berlin lebt und besonders Projekte gegen die islamische Radikalisierung von Jugendlichen in verschiedenen Einrichtungen begleitet. Ein Querdenker und ein mutiger Mann, der in diesem Jahr den inzwischen auch international geachteten Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg bekam.

Verführung durch Gewalt

Die Laudatio auf den 39-Jährigen hielt am Dienstagabend der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete und Ex-Innenminister Gerhart Baum (83). Mansour sei ein „würdiger Preisträger“ in der Tradition Ossietzkys, betonte er. Mansour erkläre die Facetten des Islam und wirke in den muslimischen Teil unserer Gesellschaft ein. Zudem fordere er eine Reform hin zu einem zeitgemäßen Islam. „Seine Position ist deshalb besonders wichtig, weil er sich von der Hysterie nicht differenzierender, eifernder Islamgegner unterscheidet“, sagte Baum.

Der Politiker warnte vor einer „wachsenden Verfassungsgleichgültigkeit“ in Deutschland. Von den Flüchtlingen werde zu Recht der Respekt vor dem Grundgesetz erwartet. „Glaubwürdig sind wir nur dann, wenn wir diese Werte selbst leben“, fügte er an. Dies sei in Teilen der Gesellschaft heute nicht der Fall: „Wer den Islam als grundgesetzgefährdend oder gar grundgesetzwidrig ansieht, verhält sich selbst grundgesetzwidrig.“ Und er lobte dann noch einmal Mansour, der versuche, gerade junge Menschen vor der islamistischen Verführung zur Gewalt zu bewahren.

Der Preisträger betonte in seiner Dankesrede die „unglaubliche Ehre“, den Ossietzky-Preis zu bekommen. Als er als Flüchtling, der kein Wort Deutsch sprach, aus Israel nach Deutschland kam, hätte er nur von so einem Moment träumen können.

Minutenlanger Beifall

Mansour, der eine Rede zwar vorbereitet hatte, sprach weitgehend frei – und beeindruckte. Bescheiden sagte er: „Ich stehe hier auch für Tausende anderer, die so einen Preis genauso verdienen würden, aber keinen Preis bekommen, weil sie nicht frei reden und schreiben dürfen, weil sie in Gefängnissen sitzen, so wie Ossietzky damals.“

Mansour, der mit Ehefrau, kleiner Tochter und Leibwächtern angereist war, erklärte weiter, er erlebe Deutschland als ein Land der Freiheit. Er sei aber auch in Sorge, weil durch die gesamte Gesellschaft „zurzeit ein Rechtsruck“ gehe.

Gewalt beginne immer in den Köpfen. Er erzählte von den zahlreichen Hass-E-Mails, die er bekomme, und wie oft er sich gefragt habe, ob er das Richtige tue. Der Ossietzky-Preis bestätige ihn und sein Team. Im Übrigen gebe es Hoffnung, solange eine vernünftige Zivilgesellschaft funktioniere: „Wir dürfen nicht aufgeben.“ – Minutenlanger Beifall belohnte Mansours bewegende und sympathische Ansprache.

Zum Programm des Abends gehörte auch die Uraufführung eines Auftragswerkes zum Ossietzky-Preis. Gespielt wurde Malte Giesens „Die Paradoxie der Sichtbarkeit II“ mit arabischen Anklängen von Mitgliedern des Oh-Ton-Ensembles.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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