Ganderkesee - Er kam, er sah, er siegte. – Ein bisschen erinnerte der Auftritt von Sebastian Schnoy am Donnerstagabend in der Mensa an Caesars bekannten Ausspruch. Allerdings überzeugte der Kabarettist ohne Blutvergießen. Viele waren gekommen, sie wollten den witzigen Historiker live und in Farbe erleben – und „von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt“, wie der Titel des außergewöhnlichen Programms ankündigte.

„Ich suche die Trüffel in der Geschichte“, erklärte Schnoy grinsend. Das nehme er sogar wörtlich, wie er berichtete: „Die Minibar in einem Hotelzimmer ist ja auch ein bisschen Geschichte, denn niemand nimmt etwas daraus, weil es so teuer ist.“ Dementsprechend geschichtsträchtig seien heute die Inhalte: „Das ist auch für einen Historiker interessant: In der Minibar meines letzten Hotelzimmers habe ich sogar ein Raider gefunden.“

Der Kabarettist erzählte aber nicht nur von seinen Reisen als Erwachsener, sondern auch von Autofahrten mit seinen Eltern in den Siebzigern im familieneigenen „Ford Taunus“. Das Gefährt, in dem man Sicherheitsgurte oder Kindersitze noch vergeblich suchte, diente der Familie Schnoy auch als Transportmittel zum Urlaubsziel Italien. „Ich kann nicht anhalten, wir haben noch die Berge vor uns“, zitierte Schnoy seinen Vater, „und gemeint waren die Kasseler Berge!“

Heute fahre man im sechsten Gang über die höchsten Berge, damals sei das noch eine große Herausforderung gewesen, so der Kabarettist, Schriftsteller, Geschichtsjournalist und Moderator. „Wir haben die Ferien dann in den Kasseler Bergen verbracht und unsere Eltern haben uns erzählt, das wäre Italien“, erzählte Schnoy und ließ die tragische Pointe auf das begeisterte Publikum wirken.

„Kennt Ihr das Gefühl, wenn man selbst Geschichte wird?“, fragte der Kabarettist schließlich in die Runde. „Man muss ja nicht jeden neuen Schnickschnack mitmachen, ich habe mir jetzt aus Protest gegen Apple ein Grammophon gekauft. Für die Jüngeren: Das ist die erste Version vom iPod!“

Schließlich ging Sebastian Schnoy aber auf das Thema ein, auf das alle gewartet haben: die Geschichte. „Deutschland war bis zum Mittelalter echt peinlich“, so der Historiker. In Rom habe es dagegen schon früh sogar Leihfirmen für Kutschen gegeben. „Die wurden wahrscheinlich von Sixtus und Europcus gegründet“, witzelte er.

Im Gegensatz zu den gut gewandeten Römern sei bei den frühen Germanen von einer Kleiderkultur nichts zu spüren gewesen, im Kampf seien die einfach nackt angerannt gekommen „und brachten die Römer damit völlig aus dem Konzept“.

Für die Römer sei der „Gesamteindruck der Germanen niederdrückend“ gewesen. Eine Feuerstelle und zerdrückte Körner hätten das Leben der frühen Deutschen geprägt. „Wer also heute mit einer Schale Müsli vor dem Kamin sitzt, sollte sich Gedanken machen“, grinste Schnoy.