TüBINGEN - Eingeweihte wussten es, der Öffentlichkeit war es nicht bekannt, nun geht die Familie in die Offensive: Der sprachmächtige, streitfreudige Redner, bekannte Schriftsteller und frühere PEN-Präsident Walter Jens ist schwer an Demenz erkrankt.

Tilmann Jens, Journalist und Sohn von Walter Jens, hat dies jetzt in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ausführlich bestätigt. Wenige Stunden zuvor hatte Jens’ Ehefrau, die Schriftstellerin und Herausgeberin Inge Jens eingestanden: „Mein Mann ist fast vollständig in seiner eigenen Welt versunken.“

Walter Jens wird am 8. März 85 Jahre alt. Der „alte Mann“, so Tilman Jens, „irre nachts durchs eigene Haus“ in Tübingen und finde sein Bett nicht mehr. 2003 sei die Krankheit ausgebrochen – genau zu dem Zeitpunkt, zu dem eine „Karteikarte mit der Ordnungsnummer 9265911 durch die Medien geisterte, die seinen NSDAP-Eintritt im Sommer 1942 dokumentierte“, so Tilman Jens.

Sein Vater, der sich immer als Moralisten dargestellt habe, habe ein paar Wochen noch nach Ausflüchten gesucht, sich „wie ein ertappter Sünder“ verhalten. „Vielleicht habe ich irgendwann so einen Wisch unterschrieben“, soll er gesagt haben.

Sein Vater, betont Tilmann Jens, habe als Parteimitglied „sicher keinem Menschen geschadet“. Walter Jens war 1942 gerade 19 Jahre alt und lebte – schwer asthmakrank - in Hamburg.