Bremen - Der Künstler Adriaen van Ostades gilt neben Rembrandt als herausragender Maler und Grafiker des holländischen Goldenen Zeitalters. Das vollständige druckgrafische Werk Van Ostades (1610-1685) zeigt die Kunsthalle Bremen in der Ausstellung „Kinder, Kerle, Charaktere“. Seine lichthaltigen, äußerst subtil und detailliert ausgeführten Radierungen verrieten auch seinen feinen Humor, sagte die Kuratorin der Ausstellung Christien Melzer am Dienstag. In den Werken spiegele Van Ostade das einfache Leben in Bauernhütten, turbulente Trinkgelage in Wirtshäusern oder Zeitgenossen beim Tanz, beim Gesang, beim Glücksspiel oder beim Schwatzen auf der Straße wider.
Präsentiert werden vom 6. April bis zum 3. Juli rund 100 Werke. Dabei ist auch der Bestand eines Privatsammlers mit meist frühen Abzügen. Blätter aus der Sammlung der Kunsthalle ergänzen die Ausstellung ebenso wie Radierplatten aus Kupfer sowie Vorzeichnungen - darunter Leihgaben der Hamburger Kunsthalle, des Berliner Kupferstichkabinetts und des Frankfurter Städels. Anhand dieser Zeichnungen lasse sich die Entstehung der Radierungen und die Wandlung in Van Ostades Stil von den 1640er bis in die 1660er Jahre verfolgen, sagte Melzer.
Den Radierungen Van Ostades werden Werke seiner Zeitgenossen wie Rembrandt, Esaias van de Velde und Claes Jansz Visscher, mit ähnlichem thematischen Repertoire gegenübergestellt. Nach Ansicht Melzers sind Van Ostades Einzelfiguren ohne Rembrandts frühe Bettlergestalten kaum denkbar. Die Figuren des wenig jüngeren Van Ostades schienen eher in sich zu ruhen und Harmonie auszustrahlen, sagte Melzer. Er habe jedoch oft im Schatten des überragenden Rembrandt gestanden.
Der Privatsammler will nach Angaben der Kunsthalle nicht öffentlich genannt werden. Ostades Werke hat er in über 20 Jahren gesammelt. „Die Werke sind sehr selten und es ist ein Glücksfall für einen Sammler, wenn ein schönes Werk auf dem Markt erscheint“, so der Privatsammler. An den Radierungen schätze er Van Ostades Motive und seine Art und Weise, die Welt zu sehen. Dem Künstler sei es vor allem um das Miteinander der Menschen gegangen: Leute, die sich auf der Straße treffen, die zusammen tanzen, trinken, rauchen, Mütter mit ihren Kindern, Lehrer mit ihren Schülern - „Szenen, wie wir sie heute genauso antreffen“.
