Oldenburg/Schortens - Wilfried Schmickler kann sehr laut werden. Zum Beispiel wenn er in der Fernsehsatire „Mitternachtsspitzen“ seinem Kollegen Jürgen Becker mit einem gewaltigen „Aufhören“ ins Wort rumpelt. Der Mann steckt voller Adrenalin, weiß wo’s langgeht und lässt auf der Bühne kräftig Dampf ab. So wirkt er zumindest. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn der 59-jährige Kölner, der unter einem selbstdiagnostizierten „Burnover“ leidet, kann auch anders.

„Ich weiß es doch auch nicht“, gibt er in seinem Programm zu und schlägt bei den Oldenburger Kabarett-Tagen, aber auch am Sonnabend im Bürgerhaus Schortens, häufig die nachdenklichen Töne an. In der ausverkauften Oldenburger Kulturetage, wo er seit Jahren Stammgast ist, kümmert er sich zunächst um die Akustik.

„Können alle gut hören“, fragt der Rheinländer in die Runde – nicht ohne Hintergedanken. Schmickler will sichergehen, dass sich keiner verhört. Denn vom Verhören ist es nicht mehr weit zum Abhören, und das ist in diesen Tagen ja ein sensibles Thema. Mit Sprache und ihrer Doppeldeutigkeit zu spielen, beherrscht der Gast meisterhaft. Auch beim Gesang macht er eine ordentliche, beim Mitswingen eine etwas eckige Figur. Rund ist dafür sein zweistündiges Programm.

Dabei reibt er sich an Politikern und Experten, die in Talkshows drauflos quatschen als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ein „Ich weiß es doch auch nicht“ traut sich in einem Klima der „kommunikativen Ignoranz“ kaum jemand. Warum Angela Merkel so beliebt ist, bleibt Schmickler ein Rätsel, das „ABC der Alternativlosigkeit“ widert ihn regelrecht an.

Keinen Spaß versteht Schmickler beim Thema soziale Ungerechtigkeit. Stellvertretend für die Wachstums-Ideologen hat er sich Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn herausgepickt: „Nichts im Sinn, Haare am Kinn – so wahr ich der wahre Hans-Werner bin“, ätzt er gegen den bärtigen Mindestlohn-Bekämpfer.

Statt mit einer Zugabe endet der Abend mit einem Gedicht über die Gier und ihre brutalen Folgen. Damit schickt Schmickler das Publikum auf den Heimweg. Er hat gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt.