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Festival Überheblichkeit purzelt rechts und links in Gräben

Horst Hollmann

Gödens - Weg mit der glatten Streichorchester-Fassung von Bela Bartoks rumänischen Volkstänzen! Die klingen ja viel spritziger, ausgefeilter und vielfältiger mit Violine und Klavier – jedenfalls, wenn Janine Jansen und Itamar Golan durch die sechs Stückchen wirbeln.

Und bitte noch mehr von Fritz Kreislers Preziosen – vor allem, wenn Janine Jansen und Itamar Golan aus jedem Winkel von „Marche miniature viennoise“, „Liebesleid“ und „Syncopation“ einen unwiderstehlichen Charme herauskehren.

Die niederländische Geigerin von Weltrang und der litauisch-israelische Pianist haben auf Schloss Gödens im Rahmen des Musikfestes Bremen zweimal im voll besetzten Rittersaal die ungeahnte Größe von Kleinformaten demonstriert.

Salon gewinnt Substanz

Auch beim spanischen Tanz aus „La vida breve“ und der „Suite popular espanola“ von Manuel de Falla purzeln auf diesem schönen Weg Überheblichkeiten gegen leichtgewichtige Musik rechts und links in den Graben. Es gibt, so die Botschaft des Duos, nichts Unwesentliches und Unwichtiges in der Kunst. Selbst der Salon gewinnt da Substanz.

Jansen strukturiert die engen Räume der Stücke so intensiv und überlegen, als seziere sie die Strukturen von Sonaten oder Fugen. Dabei variiert sie die Klangfarben so dezidiert, als ob einer der großen Impressionisten den Pinsel geführt habe.

Da sind dann hand- und fingerbrecherische Spiccati und Staccati niemals Selbstzweck. Und es ist atemberaubend, wenn die Musikerin Doppelflageoletts oder ein dreifaches Piano immer noch feiner abstufen kann. Wenn Jansens klarer Ton auch nach allen Richtungen in einen unendliche Kosmos mal zu schweben, mal zu schleudern scheint, so besitzt er doch Bodenhaftung.

Höchste Vollendung

Golan ist spürbar mitgerissen. Mehr noch: Der Pianist weiß dezent aber deutlich seine Akzente zu setzen. Und wenn er kleinste spontane Abweichungen vorausahnt oder direkt auf sie eingehen kann, dann fügt sich alles in höchster Vollendung zusammen.

Und ja: Auch Johannes Brahms steht im Programm, die Sonate Nr. 2 A-Dur, op. 100. Da greift das Duo mit blühendem Espressivo und mit konzertantem Schwung ineinander, was dann die Zurückgezogenheit langer Passagen umso eindringlicher zur Geltung bringt.

Es ist natürlich der musikalisch tiefgründigste Beitrag des Abends. Darf man sich trotzdem die Arroganz leisten, festzustellen: Der Brahms hat sich gut gefügt?

Der Schlossverwaltung ist angeraten, vorsichtshalber die Ahnenbilder und Porträts im Saal zu begutachten. Es könnte sein, dass bei diesem musikalischen Sturm auf einigen Köpfen die Perücken und Tücher verrutscht sind.

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