Bremen - Niemand wird sagen, dass er Höhenluft schnuppere, wenn er den Wilseder Berg besteigt. 169 Meter ragt die höchste Erhebung im Nordwesten aus der Lüneburger Heide auf. Da bietet das Musikfest Bremen schon andere Gipfel an – ideell gesehen natürlich. Es geht beim 26. Festival vom 29. August bis zum 19. September nicht um trittfeste Höhenmeter, sondern um geistige Höhenflüge.
Der Weg zu einigen der 37 Konzerte führt auch am Wilseder Berg vorbei. Längst dehnt sich das Musikfest bis nach Hamburg und in Gegenrichtung bis zu einem Abstecher nach Groningen. 21-mal gastieren Musiker, oft im Rang von Weltklasse, im Kerngebiet Bremen und Bremerhaven, 16-mal aber im Umland zwischen Emden, Sögel, Varel oder Butjadingen-Langwarden. Oldenburg ist längst traditioneller Musikfest-Ort.
Das Musikspektrum reicht von der Renaissance bis zur Moderne. Nicht zu übersehen ist, dass Intendant Thomas Albert ein glühender Anhänger der französischen und italienischen Eleganz in Barock und Klassik ist. Die Liste 2015 der Ensembles liest sich wie ein Bekenntnis: Musica Aeterna, Accademia Bizantina, Les Musiciens du Louvre, le Cercle de l’Harmonie, das Apollon Musagète Quartett, Europa galante.
Auch sprachlich schafft Albert ähnlich fantasievolle Verzierungen, wie sie die Musik dieser Epochen auszeichnet. „Ich fliege gern mit dem geistigen Auge über unser ganzes weites Land”, sagt er, „und freue mich schon, wenn ich die Stätten sehe, bei denen wir landen.“ Langförden bei Vechta im Oldenburger Münsterland etwa breitet so eine Landebahn aus. „Die St. Laurentius-Kirche ist wie ein Dom”, weiß Albert. Seit Jahren schätzt er dort die entsprechende Klangfülle. Im katholischen Bauwerk erklingt am 16. September die h-Moll-Messe des Protestanten Bach. Auf seiner rastlosen Suche hat der Fachmann für alte Musik zudem aktuell die Schlosskirche in Varel entdeckt. Dorthin schickt er am 8. September das Instrumentalensemble „Divino Sospiro”.
Lang ist die Liste jener Stars, die Albert gerade deshalb nach Bremen und umzu holt, weil sie sich gern publikumsnah geben: die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, den Pianisten Andras Schiff, den Bandoneonisten Per Arne Glorvigen, die Cellistin Sol Gabetta, den Pianisten Betrand Chamayou (beide am 9. September im Oldenburger Schloss), die Geigerin Janine Jansen (am 11. September auf Schloss Gödens), die Sopranistin Vivica Genaux. Im Einsatz sind zudem die heimischen Vorzeigeorchester Deutsche Kammerphilharmonie und Bremer Philharmoniker.
Beim Etat klettert das Musikfest auf die mächtige Höhe von fast 3,3 Millionen Euro. Private Sponsoren stemmen mehr als die Hälfte der gesamten Finanzierung. 500.000 Euro schießt die Stadt Bremen zu. Die restliche Lücke füllen die Eintrittserlöse.
