Oldenburg/Hannover - Köter, Katzen, Mäuse, sogar Pinguine, gehören in Uli Steins gezeichnete Tierwelt. Auch fotografierte Hundepersönlichkeiten wissen die Fans von Deutschlands erfolgreichstem und bekanntestem Cartoonisten zu schätzen. Aber Eichhörnchen im Großformat? Gleich im Dutzend?

Dieter Schwalm, Programmchef des Lappan Verlages, nimmt es gelassen, dass sein Star auf tierische Abwege gerät und den Schwerpunkt seiner Arbeit mal wieder aufs Fotografieren verlegt hat. Immerhin hat Uli Stein gerade die Zwölf-Millionen-Auflage geknackt. Da kann er sich auch einen Eichhörnchen-Kalender leisten. „Aber wenn mir das einer vor 30 Jahren gesagt hätte“, sagt Schwalm und rollt mit den Augen, „bei dem hätte ich Drogen vermutet.“

Für die Aufnahmen der putzigen, knopfäugigen Eichhörnchen hat Uli Stein eine eigene „Fressbude“ eingerichtet – direkt vor seinem Fenster und seinem Stativ. Dass er die Tierchen nicht nur fotografiert, sondern auch genau beobachtet, erkennt man daran, dass es der 69-Jährige schafft, sie auseinanderhalten zu können. Sein bevorzugtes Modell hat jedenfalls einen Namen und heißt „Dr. Puschel“.

„Ach du dicker Hund“ – so lautete der Titel des ersten Cartoonbandes von Uli Stein, den der damals neue Lappan-Verlag in Oldenburg 1984 herausbrachte und der den Ruhm des Cartoonisten begründete. Dass der Verlag bis heute mit dessen Büchern „den mit Abstand größten Umsatz macht“, kann der 62-jährige Schwalm begründen. Jedes Jahr kommen fünf bis sechs Neuerscheinungen mit Cartoons von Uli Stein heraus – immer wieder neu zu verschiedenen Themengebieten „abgemischt“. Ein aktueller Band ist passend zur Europameisterschaft unter der Überschrift „Fußball“ erschienen.

Nur eines hat der Programmchef bis heute vermieden: Einen Best-Of-Band herauszugeben, wie es andere Verlage tun. Ein Fehler, wie Schwalm findet, mit dem der Erfolg vieler Cartoonisten dauerhaft ruiniert worden sei.

Apropos Misserfolg: Gern nennt Schwalm in diesem Zusammenhang die „Werner“-Comics von Brösel und „Das kleine Arschloch“ von Walter Moers – beide seien die einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten von Uli Stein gewesen: „Von denen spricht heute keiner mehr.“

Obwohl Oldenburg der Verlagsstandort bleibt, ist Lappan keine eigenständige GmbH mehr. 2007 hatte Schwalm an den Wiener Verlag Carl Ueberreuter verkauft – „damals sah ich keine Überlebenschance für uns“ –, blieb aber Programmchef im Haus. Aber das Experiment misslang: Ueberreuter Kinder- und Jugendbuch sowie Annette Betz, beide defizitär, wurden von der übergeordneten Salzer Holding an die G&G Verlagsgesellschaft in Wien veräußert. Lappan als Dritter im Bunde – die „Rosine“, wie Schwalm betont – wurde zum 1. Januar 2015 an den Hamburger Carlsen-Verlag verkauft. Der wiederum gehört zu Bonnier, neben Random House und Holtzbrinck die drittgrößte Verlagsgruppe Deutschlands. „Damit sind wir einsortiert bei einem der großen Player, die weltweit agieren“, sagt Schwalm nicht ohne Stolz.

Eine „freundschaftliche Übernahme“ nennt er den Vorgang, der in diesem Sommer abgeschlossen sein wird. Carlsens Humortitel erscheinen inzwischen auch unter dem Label Lappan, Schwalm bleibt weiterhin Programmchef und konnte endlich seine Arbeitszeit auf drei Tage die Woche reduzieren.

Wie lange er noch arbeiten möchte? Noch kein Plan. Dieter Schwalm bleibt da ganz entspannt, genau wie sein Cartoon-Star Uli Stein. Der hatte halt plötzlich Lust auf Eichhörnchen.