Oldenburg - Als wäre die Leinwand gar nicht da, gibt es lauten Applaus für diese Filmszene: Ein Obdachloser und eine Kassiererin – scheinbar haben sie nichts gemeinsam – tanzen ausgelassen zu einer Elvis- Platte und hatten seit langem nicht mehr so viel Spaß.

Das 22. Internationale Filmfestival präsentierte am Sonnabend die Premiere „Besuch für Emma“ in der Alten Fleiwa. Mit dabei waren Hauptdarstellerin Dagmar Manzel und Regisseur Ingo Rasper. Die ARD überträgt den Film am Freitag, 16. Oktober, um 20.15 Uhr.

Emma kassiert nicht nur den Einkauf ab, sondern auch die Geldbeutel ihrer Kunden ein. Diese Masche dient aber nicht ihrer Bereicherung: Sie will Menschen kennenlernen. Bei der Abholung der Portemonnaies ist zufällig gerade ein üppiges Essen fertig und der Tisch gedeckt. Nur das mit den neuen Freundschaften will nicht ganz klappen – bis der Obdachlose August dahinter kommt.

„Die ARD will den Freitagabend renovieren“, sagt Regisseur Ingo Rasper. Daher sei diese eher kantige und modern erzählte Geschichte bei dem Sender gut angekommen. Als Urberlinerin passte Manzel perfekt in die Rolle der Kassiererin Emma. „Ich wusste“, sagt Rasper, „wenn es eine spielen kann, dann nur Dagmar.“ Es gäbe viele lustige Schauspieler, andere wiederum seien hervorragend in ernsteren Rollen. „Eine Mischung aus beidem begrenzt sich auf wenige“, sagt Rasper.

Anfangs hatte Manzels Agent die Rolle sogar abgesagt. Gerade den ersten Frankentatort abgedreht und auch noch mitten im Umzug, kämpfte die Schauspielerin trotzdem um die Rolle – von sich aus. „Eine solche Urberlinerin habe ich bisher nicht gespielt“, sagt sie, „ich wusste, das ist meine Rolle“. Neben Gastauftritten im Theater, einer Opernpremiere und Konzerten drehte sie innerhalb von fünf Wochen also auch noch diesen Film.

Dagmar Manzel ist die einzige Künstlerin in ihrer Familie; die Eltern sind Lehrer, die Geschwister in handfesten Berufen. „Zuerst waren meine Eltern irritiert“, erzählt sie, „dann aber unglaublich stolz, und sie kommen noch zu jeder meiner Premieren.“

Gibt es Typen wie die Kassiererin Emma öfter in Berlin? „Oh ja“, sagt Rasper, „das Viertel verändert sich. Da muss sich die konservative 50-Jährige mit Migranten, Hipstern und Drogen auseinandersetzen.“

Auch Besucherin Astrid Sumann hat viel gelacht an dem Abend: „Der Wechsel von übermäßiger Freude in diese tiefe Verletzlichkeit war klasse gemacht. Es kam einfach menschlich und überzeugend rüber. Ein toller deutscher Filmbeitrag.“

Für Hauptdarstellerin Dagmar Manzel ist das Filmfestival alles andere als eine Pflichtveranstaltung: „So ein Festival ist eine tolle Möglichkeit, die Reaktionen der Zuschauer mitzuerleben. Das ist ein Geschenk.“ Von Oldenburg konnte die Berlinerin leider nicht so viel sehen; Gesangsstunde am nächsten Tag. Das Horst-Janssen-Museum will sie sich bei nächster Gelegenheit aber unbedingt ansehen.