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Umbenennung schnell noch zum Stadtjubiläum

Betrifft:

„Auf der Suche nach einem Wilhelm-Müller-Platz“ (NWZ vom 13. März).

In einer öffentlichen Diskussion ist die Umbenennung des Marktplatzes in Wilhelm-Müller-Platz, schnell noch zum Stadtjubiläum. Man hat den Eindruck, als wenn Rat und Verwaltung die offensichtlichen Versäumnisse, zum Stadtjubiläum etwas Wesentliches zu inszenieren, mit solch einer hektisch wirkenden Umbenennung kaschieren wollen.

Ich habe Verständnis, dass die atmosphärischen Störungen in Rat und Verwaltung in den letzten Jahren gute Kreativität blockiert haben. Und dass deshalb wohl zum 100-Jahre-Jubiläum von Seiten dieser beiden Institutionen kaum Wesentliches auf die Beine gestellt wurde. Ein Jammer. Gut hätte es zum Beispiel der Stadt zu Gesicht gestanden, wenn sie das 1993 erschienene, einzige ernsthaft historische, Buch über Nordenham in erweitertem Umfang hätte neu auflegen lassen. (...)

Die schnell-eifrige Idee der Marktplatzumbenennung in diesen Tagen würde Rat und Verwaltung eventuell das Gefühl geben, einen wesentlichen Beitrag zum Jubiläum geleistet zu haben. Und das ohne Kosten! Wie pfiffig! Nach meiner Auffassung und der Meinung vieler wird mit der Umbenennung nicht wenig an „historischem Porzellan“ zerschlagen. Man kann gewachsene Geschichte zerstören, so gut man es meint.

„Marktplatz” ist ein gutes historisches Wort, von dem seit alters eine klare – positiv besetzte – Information ausgeht. „Wilhelm Müller” hingegen ist relativ beliebig und vom Gewicht für dieses Stadtzentrum absolut drittrangig. Wilhelm Müller residierte in seinem Friedeburg-Wohnhaus und agierte vom Bahnhofsplatz-Friesischer Hof. Er war – da sind sich Historiker und viele Heimatkenner einig – ein gewichtiger Mann. Es ging ihm bei „Nordenham” nie um eine Stadtgründung, sondern um sein privates Geschäft eines internationalen Handels. Er ist am ehesten als Schrittmacher zu bezeichnen. Für die Entwicklung zur Stadt haben andere (Adolf Vinnen und andere) wesentlich mehr geleistet.

Ich selbst kam vor über 30 Jahren nach Nordenham und suchte in dem damaligen Gemisch aus Dörfern und Siedlungen nach einem Zentrum. Und war dankbar, auf dem Stadtplan einen „Marktplatz” gefunden zu haben. Wie relativ traurig er damals auch aussah, wissen wir ja. (...) Aus einem Schlackenplatz wurde der schönste und lebendigste Platz der gesamten Wesermarsche (...). Jahnhalle, Marktplatz, Museum, Friedeburg, Hallenbad, Sportstätten sind sind alles bauliche und funktionelle Projekte, die aus dem unklaren Sammelsurium von Dörfern eine junge, frisch wirkende Stadt entstehen ließen. Über die Bedeutung des Wochenmarktes auf dem Marktplatz ist nicht zu diskutieren: Er ist bunter Treffpunkt von Nordenhamern, Auswärtigen und Touristen und ist einfach schön und gut! Soll dieser Markt auf einem Wilhelm-Müller-Platz stattfinden?

Ich bitte dringend, uns Nordenhamern den Marktplatz als Marktplatz zu lassen.

Dr. Peter Klan

Nordenham
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