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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Unbekannter schreibt in Oldenburg Geschichte

31.12.2014

Oldenburg Wer sagt denn, dass erst Industrialisierung und Globalisierung die Mobilität angestoßen haben? Da ist schon in der frühen Neuzeit einer auf Achse und zu Fuß gewesen: Querfurt, Gerbstädt, Kassel, Salzwedel, Magdeburg, Meißen, Braunschweig, Rostock, Burgsteinfurt, Amsterdam, Münster oder Osnabrück. Das sind einige der Stationen, die ein gewisser Daniel Friderici zwischen 1590 und 1614 abgeschritten hat. Dann ist er, im Alter von 30 Jahren, nach Oldenburg gekommen.

Gute Spürnase

Graf Anton Günther hat vor 400 Jahren den damals kaum bekannten Studenten und Musiker als Hofkantor in die Stadt mit rund 4000 Bürgern geholt. Der Fürst hatte eine gute Spürnase. Friderici wirkte zwar nur vier Jahre in Oldenburg, aber er gilt als bedeutendster Musiker der Stadt und weit darüber hinaus im 17. Jahrhundert. Nur: Aufgefallen ist es nachfolgenden Generationen kaum.

Es bedurfte der Entdeckerfreude von Axel May (65), um zum Jubiläum des Dienstantritts Fridericis gesellschaftlichen, historischen und musikalischen Wert in den angemessenen Rang zu heben. Der Oldenburger Musikpädagoge und Chorleiter hatte 2009 das Madrigal „Wir lieben sehr im Herzen“ ins Repertoire aufgenommen. Bei Nachforschungen zum Verfasser Friderici war May „selbst verblüfft, dass der Mann vier Jahre in Oldenburg gewirkt hatte“.

May hat in Zusammenarbeit mit Landesbibliothek und Oldenburgischer Landschaft eine Ausstellung konzipiert, die im Büchereigebäude am Pferdemarkt noch bis zum 14. Februar gezeigt wird. Bei aller Intensität der Dokumente sieht sich der Initiator noch am Anfang: „Manches ist erst über Querverbindungen zu rekonstruieren.“ Zu den Kuriositäten gehört, dass die grundlegendsten Kenntnisse aus der Leichenrede des Rostocker Uni-Rektors Henricus Rhane zu Fridericis Tod 1638 zu ziehen sind.

Als Kind einer bitterarmen Landarbeiter-Familie wurde Friderici 1584 im Kaff Kleineichstätt im Kurfürstentum Sachsen geboren. Als Sänger in Kurrenden, den Armenchören der damaligen Zeit, erbettelte er Lebensunterhalt. Sein musikalisches Talent brachte ihm Weiterempfehlungen und Wanderschaften zu namhaften Zeitgenossen.

Nachhaltig entfaltete sich seine Musikalität in Oldenburg. Als Aufgabenbereich sind das Kantorat an der Lambertikirche und das Amt des Schulkantors an der Lateinschule dokumentiert. Seine Erfahrungen als Chorleiter legte Friderici hier launig und umgangssprachlich drastisch nieder. Sein „Musica figurales“ von 1618 gilt als das früheste Musiklehrbuch in deutscher Sprache. Doch noch im gleichen Jahr warb der Rostocker Rat Friderici in eine Lebensstellung als Cantor primarius ab.

Hörstation

Die Ausstellung führt mit Dokumenten und Leihgaben zu einem Überblick über das Musikleben am Beginn des 17. Jahrhunderts. Auch für knappe Besuchszeit schildert sie Fridericis Wirken umfänglich. Aber sie erlaubt auch eine vertiefte Betrachtung der historischen Schriften und Musikalien. Zudem wartet die Hörstation mit neun Kompositionen Fridericis auf.

„Wir lieben sehr im Herzen, drei schöne Dinge fein“ wäre in einer mittelalterlichen Rangliste wohl weit oben geführt worden. Bei heutigen Chören steht nicht nur dieses Madrigal hoch im Kurs. Ein guter Chor kennt seinen Friderici, selbst in der Schweiz und in Schweden. Axel May weiß, wovon er spricht.

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