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Gotthilf Fischer 75 Jahre Am Taktstock: Und er dirigiert noch immer

25.02.2017

Bad Peterstal-Griesbach Mit nur 14 Jahren hat er das Dirigieren angefangen - 75 Jahre später hält Gotthilf Fischer immer noch zahlreichen Chören die Stange. Bei Wind und Wetter und fast jeden Tag schwingt der 89-Jährige den Taktstock und sagt: „Mit 90 geht es erst richtig los“. 2016 bereits blickte der weltbekannte Dirigent und Anwalt des deutschen Liedgutes auf 70 Jahre Ton-Aufnahmen zurück. Sogenannte Homestorys macht der Komponist seit dem Tod seiner geliebten Frau Hilde nicht mehr. Sie starb 89-jährig im Dezember 2008. Ein Schock für Fischer, „denn Hilde ist die Liebe meines Lebens“, sagt er.

Für den Chorleiter ist die „Gotthilf-Fischer-Stube“ in einem Fünf-Sterne-Hotel in Bad Peterstal-Griesbach im Ortenaukreis ein zweites Zuhause geworden. Hotelchef Meinrad Schmiederer sei ihm schon lange ein guter Freund. Wann immer ein paar Tage übrig oder Geburtstage zu feiern sind, dann ist dies Fischers Ort der Wahl.

In dem Hotel haben auch Schlagestar Tony Marshall und Trompeter Walter Scholz „ihre“ Zimmer. Auch diese rustikal eingerichteten Räume sind mit Andenken und Fotos von Prominenten übersät. In der „Gotthilf-Fischer-Stube“ sind neben persönlichen Fotos des Dirigenten mit seinen Enkelkindern auch Bilder mit dem Entertainer und Quizmaster Hans-Joachim Kulenkampff (1921-1998), Schlagersänger Bernd Clüver („Der Junge mit der Mundharmonika“, 1948-2011), Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer oder Schauspieler und Fernsehmoderator Joachim Fuchsberger (1927-2014) zu sehen. „Es sind schon so viele davon gestorben“, sagt Fischer angesichts der vielen Fotos und der damit verbundenen Erinnerungen etwas wehmütig.

Er selbst fühle sich noch fit. Nach einer schweren Operation an der Halsschlagader Mitte 2012 ist er genesen. Rosig das Gesicht, schlohweiß das Haar - so kennt man ihn und das hat sich nicht geändert. Hilde brachte den kleinen Sohn Herbert damals mit in die Ehe, erzählt der 89-Jährige. In jener Zeit sei solch eine Beziehung eine kleine Sensation gewesen. „Hildes Mann war im Krieg gefallen. Und ich sah sie zum ersten Mal an einem Holzzaun stehen. Mein Herz begann zu rasen. Wochen später haben wir uns bei gemeinsamen Freunden bei einem Abendessen wiedergesehen.“

Seine Karriere begann Fischer als 14-Jähriger an seiner Schule in Plochingen bei Stuttgart, also 1942. Und schon bald erregte die Arbeit des Nachwuchsdirigenten Furore. 30 Sänger folgten Fischers Einladung zu einer ersten Chorprobe in Deizisau. Der Kreis wuchs und wuchs: Beim zweiten Treffen waren es 80 Sänger, und Wochen später hatten sich schon sechs Chöre gebildet.

Die Zeit der großen Welttourneen mit seinen Fischer-Chören, überfüllten Hallen und Stadien ist längst vorbei. Aber noch heute dirigiert Fischer fast täglich einen anderen Chor: Dienstags ist er in Stuttgart, mittwochs in Schwaikheim, donnerstags in Bönnigheim und freitags im Fellbacher Stadtteil Schmiden. „Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Melodien sind alles“, sagt er.

Fischer ist kein Mensch, der sich große Sorgen macht. Mit Gottes Hilfe werde sich schon alles fügen, meint er. Der neue US-Präsident Donald Trump bekümmert ihn dennoch etwas: „Es sind unsichere Zeiten. Der Teufel ist unterwegs und lässt sich nicht einfangen.“

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