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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Und hört im Herzen auf zu sein

12.04.2016

Oldenburg In einem dunklen, fensterlosen Raum hämmert sie gegen die Wand, läuft von einer Ecke in die andere, die Mimik gehetzt, wie ein wilder Panther, gefangen in einem Käfig. „Als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“, wie es im Gedicht „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke heißt. Anna Avakian in ihrer Rolle als Anne Frank verkörpert ein lebensfrohes Mädchen, das in seiner Gefangenschaft, in seinem Versteck im Amsterdamer Hinterhaus, immer mehr verzweifelt.

„Ideale, schöne Träume, leuchtende Hoffnungen kommen nicht mehr bei uns auf, und wenn sie doch entstehen, so werden sie sofort zerstört von der fürchterlichen Wirklichkeit“, singt Avakian. Diese bittere Erkenntnis zieht sich in der Oldenburger Exerzierhalle durch alle 21 Episoden der Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“.

Pure Verzweiflung

Das deutsche Libretto von Grigori Frid nach den Tagebucheinträgen des jüdischen Mädchens, wird durch das Einblenden von Fotos der Familie Frank und Videosequenzen (Marcel Franken) zu einem multimedialen Bild. Ein Video zeigt beispielsweise Anne Frank (gespielt von Double Lina Seifert), als sie an ihrem Geburtstag ihr Tagebuch bekommt.

Die 26-jährige Sopranistin Anna Avakian schlüpft mühelos in die Rolle der Jugendlichen. Ihre oft barsch klingende Stimme passt zum rebellischen Charakter Annes. In den meisten Fällen ist ihr Gesang hart, manchmal fast schrill, pure Verzweiflung. Nur zu Beginn, als sie mit dem Tagebuchschreiben beginnt, und bei den Gedanken an Peter blitzen zärtliche Töne auf.

Die Mitglieder des Staatsorchesters unter der musikalischen Leitung von Elias Corrinth dienen als Abbild der Außenwelt. Fanfaren und Marschmusik zum gleichmäßigen Takt von Schlagzeuger Andreas Heuwagen bilden eindrücklich den militärisch-kriegerischen Aspekt ab. Klarinettist Jason Denner lässt zwischendurch auch hoffnungsvolle Passagen anklingen, wenn die junge Jüdin sich an den Gedanken an ein bevorstehendes Ende des Krieges klammert.

Immer in Gefahr

Die Figur der Anne Frank agiert in spartanisch eingerichteter Kulisse. Das Bühnenbild besteht aus einer Kleiderstange mit einem Kleid, einem Overheadprojektor, einem winzigen Kinderstuhl, einem großen Holzstuhl und einer Lampe (Bühne und Kostüme: Monika Annabel Zimmer). Aus einem wohlhabenden Leben in Freiheit gerät Anne in ein Vesteck, in dem acht Personen auf engstem Raum zusammengepfercht sind, immer in der Gefahr, entdeckt zu werden.

„Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille – und hört im Herzen auf zu sein“, schreibt Rilke. Anne Frank stirbt – „als eine von über sechs Millionen Juden“, wie ein eingeblendeter Schriftzug über der Bühne noch einmal in Erinnerung ruft – das Abschlussbild der einstündigen, sehr ernsten, ergreifenden Oper mit einer ausdrucksstarken Protagonistin. Im Anschluss, nach einem kurzen Moment der Stille, nicht enden wollender Beifall.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Anna Lisa Oehlmann
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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