Oldenburg - Ole und Charlotte sind unerbittlich: „Wir haben hier eine Station ausgelassen“, maßregeln sie die Eltern, mit denen die beiden Elfjährigen im Schloss auf den Spuren Graf Anton Günthers auf Schnitzeljagd sind. Vor allem Familien mit Kindern waren am Internationalen Museumstag unterwegs. Und die museumspädagogischen Abteilungen haben sich darauf eingestellt und von Malen, Stempeln, Basteln bis Backen vieles in petto.

Mehr Besucher hätte man sich gewünscht, aber das Wetter sei halt zu schön, heißt es dazu im Stadtmuseum, wo auch die Erwachsenen dazu eingeladen waren, sich Briefpapier und Karten kunstvoll zu stempeln. Im Janssen-Museum informierten die jungen Freunde des Hauses über ihren „Tartort“.

„Begeistert haben mich die ,Stichproben’“ , sagt eine Besucherin über die aktuelle Ausstellung, bei der es Unerwartetes wie Stielaugen und Wachskleider zu entdecken gibt. „Ich konnte mir unter dem Titel gar nicht soviel vorstellen.“ Horst Schmidt studiert interessiert jene Wand, auf der das Museum alle Werke aufführt, die einmal im Eigentum des Hauses waren und die 1937 als entartet beschlagnahmt wurden. Darunter Werke vieler bekannter Künstler wie Paula Modersohn-Becker, Karl Schmidt-Rottluff und andere. „Seit dem Fall Gurlitt sieht man sowas ja mit ganz anderen Augen“, erklärt Schmidt und wundert sich, dass manche dieser Bilder heute in Köln und anderswo in großen Museen hängen.

Die zehnjährige Metta bastelt mit anderen in der museumspädagogischen Abteilung Graf Anton Günthers neue Kleider und klebt sie für ihr dreidimensionales Gemälde auf ein Blatt. Sie ist froh, dass man heute nicht mehr solche Kragen tragen muss wie Graf Anton Günther. „Die kratzen ganz schön“, sagt sie.

Gemalt wird auch im Museum für Natur und Mensch am Damm. Für manche Kinder ist es aber auch die erste Begegnung mit einem Wiesel, das sie bei einem Rundgang durchs Haus einmal auf den Arm nehmen dürfen. Der Präparator hat das Tier ganz lebensecht wieder auf die Beine gestellt.

Wenn der Vater mit dem Sohne ins Computermuseum daddeln geht: Marcel Schindler und Jonas probierten die Heimcomputer der siebziger und achtziger Jahre aus. Im Computermuseum in dem alten Postgebäude ist Anfassen ausdrücklich erlaubt, denn dort kann man die Saurier der Computer-Branche auch alle ausprobieren. 70 Besucher, auch etwas weniger als im Jahr zuvor, waren da, berichtete Thiemo Eddiks vom Computermuseum.

Das Edith-Ruß-Haus haben am Internationalen Museumstag auch Gäste aus Groningen besucht. „Greetings from Joachim“ heißt es im Gästebuch ganz oben auf der Seite. In der Gruppenausstellung geht es um die Arbeitsbedingungen von Frauen (Women at Work). Am Abend wurden Dokumentarfilme gezeigt, die sich mit Frauen im Arbeitsprozess beschäftigten, u. a. „Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt“ von der berühmten, 2014 verstorbenen Filmemacherin Helma Sanders-Brahms („Deutschland bleiche Mutter“).